Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2017
Themen und Inhalte im Überblick
4. von 5 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2017
Gedanken zur Karikatur
Tja, wie ist das mit der Einladung Jesu, die er im Matthäus-Evangelium ausspricht und die ausführlich so lautet: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30)? Ist wirklich unser christliches Abendland in Gefahr, wenn Menschen bei uns Asyl suchen?

Auf diese Frage zu antworten ist nicht leicht. Denn zum einen muss sich eine Gesellschaft ehrlich fragen, wie viel fremde Menschen ein Land integrieren kann. Damit meine ich, wie viel neue Bürger können wir mit unserer Infrastruktur bewältigen, mit Wohnung, Schule und Arbeit? Darauf habe ich keine Antwort in dem Sinne, dass ich eine Zahl nennen könnte. Aber dass Polizisten und Lehrer fehlen, dass der soziale Wohnungsbau darnieder liegt, dass mehr Geld in unsere Infrastruktur wie in Straßen, in Brücken etc. fließen muss, liegt nicht an den Menschen, die hier in Deutschland Asyl suchen. Sicherlich haben sie das Problem, das politisch gelöst werden muss, verschärft. Aber dass es da ein Problem bei öffentlichen Investitionen gibt, ist kein Geheimnis. Ein Blick in so manches Schulgebäude zeigt das, und eine Fahrt über eine Autobahn, Bundes- oder Landstraße lässt einen das wortwörtlich erfahren.

Eine andere Frage ist die, wie es um unsere christliche Kultur bestimmt ist. Es gibt in der Gesellschaftstheorie eine Erkenntnis, dass es keine gesellschaftlichen Räume gibt, die nicht von irgendeiner Macht besetzt werden. Konkret bedeutet das, dass Werte immer gelebt werden; die Frage ist nur, welche? Als – neutrales? – Beispiel wähle ich die Menschenrechte. Damit es Menschenrechte gibt, müssen wir davon überzeugt sein, dass jeder Mensch Menschenwürde besitzt, die nicht angetastet werden darf. Die Überzeugung allein reicht aber nicht, sie muss gelebt werden, d.h. jeder von uns muss dem anderen so begegnen, dass seine Würde gewahrt wird. Aber auch das ist nicht ausreichend. Wir brauchen Institutionen, die die Überzeugung der Menschenwürde lehren, wie beispielsweise Schulen, und die sie schützen, wenn die Würde eines Menschen verletzt wird, wie das Polizei und Gerichte tun. Mit dem Wert Menschenwürde sind also gleichzeitig Überzeugungen, Praktiken und Institutionen gesetzt, die alle drei den Wert verwirklichen.

Und raten Sie mal, wie das mit der abendländischen, und d.h. wohl christlichen, Kultur ist? Wenn wir von ihr überzeugt sind, müssen wir sie nicht nur glauben, sondern auch praktizieren, d.h. nicht nur für richtig halten, sondern ihre Wahrheit leben, im Alltag und im Gottesdienst. Ich kann nur dann einen Wert für mich in Anspruch nehmen, wenn ich ihn auch praktiziere. Wenn ich also den Untergang des Abendlandes sehe, dann wäre es gut, wenn ich meinen christlichen Glauben im Alltag und im Gottesdienst praktiziere. Indem ich ihn praktiziere, verändere ich die Atmosphäre unserer Gesellschaft, weil der Glaube an Jesus Christus sich in der tätigen Liebe, wie Paulus schreibt, verwirklicht.

So komme ich zum dritten Punkt, der tätigen Liebe. Wenn wir in unserem Alltag das suchen, was dem Nächsten dient, wie Martin Luther es uns lehrt, dann wäre unsere Welt gerechter. Kriege würden nicht mehr mit unseren Waffen unterstützt; Menschen müssten nicht mehr wegen des von uns veränderten Klimas vor Hunger und Durst fliehen; Menschen würden in aller Welt gerecht entlohnt, weil wir eine fairen und gerechten Preis für unsere Waren wie Kleidung zahlen; usw.

Auch bei meinem vierten Punkt bleibe ich bei der Liebe. Liebe verändert Menschen. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir unseren Glauben so leben würden, dass viele Menschen ihn übernehmen möchten? Der Erfolg des Christentums bestand darin, dass Menschen den Glauben und die Lebensweise der Christen überzeugend fanden und deshalb beschlossen Christen zu werden. Paulus hat dazu im ersten Korintherbrief ausführlich Stellung genommen. Christliche Mission geschieht, indem Liebe gelebt wird. Und die Liebe macht die Attraktivität des christlichen Glaubens aus.

Und schließlich ein letzter Punkt. Als Familie leben wir gemeinsam mit einem Geflüchteten. Und seitdem bin ich dankbar, dass ich in diesem Land leben darf. Mich lehrt er, die Werte meines Glaubens und den Wert der Menschenrechte zu schätzen und mich aktiv für beide einzusetzen.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief_2017, comic+caricaturen, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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