Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Dezember 2017"
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lk 1,78-79
Gottesdienste
::: Mittwoch, den 20. Dezember 2017
19.00 Uhr Adventsandachten
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
15.30 Uhr Familiengottesdienst
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
17.30 Uhr Christvesper für Erwachsene
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
22.00 Uhr Christmette mit Abendmahl
::: 1. Weihnachtstag, 25. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl
::: 2. Weihnachtstag, 26. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst
::: Silvester, 31. Dezember 2017
18.00 Uhr Jahresschlussgottesdienst
::: Neujahr, 1. Januar 2018
18.00 Uhr ökumenischer Gottesdienst zu Beginn des neuen Jahres in der Klosterkirche
Gemeindebrief - Nov., Dez. 2017 Januar, Februar 2018
Themen und Inhalte im Überblick
1. von 9 Themen im Gemeindebrief - Nov., Dez. 2017 Januar, Februar 2018
Liebe Gemeinde!
Das Reformationsjahr neigt sich dem Ende entgegen. Und um ehrlich zu sein, ich bin froh, dass es so ist. Warum? Nicht weil ich Martin Luther und seinen Gedanken nichts abgewinnen kann, ganz im Gegenteil. Aber Luther als Tasse, Keks, Luther-Wurst, Luther-Bier, als Kultur und Wallfahrtsthema, auch evangelisch, dass fällt mir doch schwer. Ich mag seine Schriften und seine Gedanken, ich mag seine widersprüchliche Person, die Gott als Backofen voller Liebe beschreiben kann und gleichzeitig widerwärtig gegen eine ganze Gruppe hetzen kann. Was mag ich daran? Sicher nicht seinen Hass gegenüber den Juden am Ende seines Lebens, sondern die Erkenntnis, dass selbst ein Mensch, der wie kaum ein anderer von der Liebe Gottes erzählt, sich schwer tut, diese Liebe in seinem Leben zu verwirklichen. An diesem Widerspruch in Martin Luther arbeite ich mich ab, im Vertrauen darauf, dass die Liebe Gottes in unser Herz gegossen worden ist durch den Heiligen Geist (Paulus an die Römer 5,5) und sich auch gegenüber mir selbst immer durchsetzen wird. Es ist der Kampf der Liebe Gottes gegen den Hass im menschlichen Herzen der mir in Luther wie ein Spiegelbild begegnet. Und wer von uns ist nicht in sich widersprüchlich? So distanziere ich mich aufs schärfste von dem Hass gegen eine Glaubensgemeinschaft, die Luther nicht kannte, zumal viele meiner Lieblingsphilosophen der jüdischen Tradition angehören (und selbst diese waren beispielsweise nicht frei vom Hass gegen Palästinenser). Was ich an Luther mag, ist seine klare und manchmal polternde Sprache, seine Liebe zur Bibel, die er wie ein Poet übersetzt hat und – wie gesagt – seine Widersprüchlichkeit, die in diesem Jahr auch immer wieder – mit Recht – thematisiert worden ist und schließlich sein Vertrauen, dass Gott auch ihn, den Widersprüchlichen, vollenden wird.

In alldem finde ich mich als Person wieder. Und ich lese Luther und seine Bibel-Übersetzung gerne. Luther ist kein Heiliger, ein Mensch voller Widersprüche und guter Gedanken. Die Reformation, wie wir sie historisch beginnen lassen, nahm ihren Anfang mit den 95 Thesen, der „Disputation zur Erläuterung der Kraft des Ablasses“ von 1517, die am 31. Oktober von Luther veröffentlicht wurden.

In der 94. These heißt es: „Man muß die Christen ermahnen, dass sie Christus, ihrem Haupt, durch Leiden, Tode und Höllen nachzufolgen trachten.“ Für Martin Luther steht Jesus Christus, wie ihn die Bibel bezeugt, im Mittelpunkt seines Denkens. An Jesus Christus und seiner Bedeutung für das Leben arbeitet er sich zeitlebens ab. Seine berühmte Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von 1520 trägt die Überschrift „Jesus“. Jesus Christus ist ihm alles. So heißt es in derselben Schrift „Willst du alle Gebote erfüllen, deine böse Begierde und Sünde loswerden, wie die (sc. göttlichen, namentlich die Zehn Gebote,) Gebote zwingen und fordern, sieh auf, glaube an Christus, in dem ich dir (sc. Gott) alle Gnade, Gerechtigkeit, Friede und Freiheit zusage.“ Und: dass ein Christenmensch „nicht in sich selbst lebt, sondern in Christus und in seinem Nächsten; in Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe“.

Wie diese Liebe zu Jesus Christus, die Gottes Liebe in Person ist, zu dem Hass gegen Menschen passt, bleibt mir ein Rätsel. Woran ich anknüpfe, sind Luthers Gedanken zur Freiheit und Liebe, zum Leben im Glauben und zum Tun der Liebe.
Freiheit ist eines der großen Stichworte der Reformation gewesen, so dass Freiheit als das Programm des Evangelisch-seins verstanden werden konnte. Aus diesen Gedanken haben sich im Laufe der Zeit unter anderem, auch gegen den Widerstand der Kirchen, die Menschenrechte entwickelt. Die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und nationalsozialistischem Terror haben mit zur Gründung der UNO 1945 und zur Erklärung der Menschenrechte 1948 geführt.



Freiheit, so Martin Luther in Übereinstimmung mit dem Apostel Paulus, verwirklicht sich in Taten der Liebe. Dazu gehört auch das Eintreten für die Menschenrechte. Zur Freiheit in Liebe gehört, dass ich allen Menschen die gleiche Würde zuerkenne, weltweit. Als Christen haben wir nach meinem Verständnis die Aufgabe, für die Würde aller Menschen, gleich welcher Religion und welcher Hautfarbe, gleich welchen Geschlechts und gleich welcher sexuellen und politischen Orientierung, einzutreten. Maßstab muss dabei immer die Freiheit in Liebe sein, was nichts anderes bedeutet als Gerechtigkeit.

Liebe ist immer eine Beziehung zwischen Personen. Das zeigt die wunderschöne Geschichte, die Jesus im Gleichnis „Vom Barmherzigen Samariter“ (Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 10, die Verse 25 bis 37) erzählt. Liebe wird auch immer von Gefühlen getragen. Liebe ist immer subjektiv. Nun kann man aber nicht zu allen Personen eine Beziehung haben. Und: Beziehungen brauchen einen Maßstab. Dafür bietet sich der Gedanke der Gerechtigkeit an, der objektiv für alle gilt. Aus diesem Grund drängt die Liebe, wenn sie für alle gelten soll, zur Gerechtigkeit. Liebe ist gesellschaftlich und politisch umgesetzt, darum Gerechtigkeit.

Wie Gerechtigkeit auszugestalten ist, welche Rechte und Pflichten sie beinhaltet, muss in unserer Gesellschaft in der Diskussion erstritten und formuliert werden. Nach Luther ist jeder Christenmensch ein Priester, es gibt keine Über- oder Unterordnung in Bezug auf Jesus Christus. Jeder hat in Jesus Christus die gleichen Rechte und Pflichten; jeder Christ kann und soll seine Erkenntnisse und Glaubensäußerungen in der christlichen Gemeinde formulieren. Darin sehe ich ein Modell, wie trotz unterschiedlicher Ansichten und Perspektiven alle unter einem Dach gemeinsamer Werte und Überzeugungen friedlich miteinander leben können. Christen könnten, indem sie den kontroversen Diskurs in der Freiheit der Liebe führen, ein Vorbild für die Weltgesellschaft sein. Wir Christen könnten zeigen, wie man friedlich und liebevoll zusammenlebt.

Dass Christen das nicht geschafft haben, zeigt schon der Dreißigjährige Krieg, wo Katholiken und Protestanten im Namen Gottes gegeneinander gekämpft haben, um jeweils die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich zu erlangen, und das dreißig Jahre lang mit verheerenden Folgen.

Dass da aber etwas von der Botschaft Jesu grundlegend falsch verstanden worden und im Namen eigner Machtansprüche und Gier missbraucht worden ist, zeigt ein Blick ins Neue Testament, das Christenmenschen nach Luthers Vorstellung täglich lesen und bedenken sollten. Denn Gott regiert die Welt mit dem Wort des Evangeliums und seiner Liebe, die den Christen durch den Heiligen Geist ins Herz gegossen worden ist. Man muss also mit der Bibel auch gegen Luther vorgehen, um seine teilweise kriegerischen Einstellungen zurückzuweisen. Dasselbe gilt auch für das eigene Herz: auch hier muss die Liebe Gottes die eigene Bosheit überwinden.

Die Weltgemeinschaft hat mit den Menschenrechten der Welt einen Maßstab der moralischen Orientierung gegeben, wobei diese sich auch aus christlichen Quellen speisen. Dass die Menschenrechte auch gegenüber Kirchen durchgesetzt werden müssen, mag traurig sein, dass es die Menschenrechte als weltweiten ethischen Maßstab gibt, nicht.

Die Reformation kann weitergehen, wenn sie ihre guten Ziele und Ideen in die gesellschaftliche Diskussion einspeist. Wie das gelingen kann, zeigt die Denkschrift „Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017“ der Evangelischen Kirche von Deutschland, wo die Bedeutung des evangelischen Glaubens für die Gegenwart konkret formuliert wird. (Man kann sie im Internet lesen oder im Buchhandel kaufen.)

So ist meine Bitte und mein Wunsch, dass wir uns als evangelische Christen an dem Prozess beteiligen, die Liebe Gottes in dieser Welt konkret werden zu lassen, was sich unter anderem am Einsatz für die Menschenrechte zeigt.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief 06.2017 und 01.2018, Offiz. Webseiten WGT 2018, Privatfotos
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