Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2017
Themen und Inhalte im Überblick
1. von 5 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2017
Liebe Gemeinde,
am 20. August findet in unserer Gemeinde der letzte Gottesdienst im Rahmen der Reihe „Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum“ statt. Pfarrerin Annika Wölfel aus Neuhof wird in ihrer Predigt zum Thema „Luther in Wort und Bild“ sprechen. Und am 31. Oktober wird der lange Weg zum Reformationsjubiläum endlich sein Ziel erreichen. Denn an diesem Tag feiern evangelische Gemeinden in ganz Deutschland den 500. Jahrestag des Ereignisses, das den Prozess auslöste, den wir heute als Reformation bezeichnen und der schließlich zur Entstehung der evangelischen Kirche führte.

Luthers „Thesenanschlag“

Doch was geschah eigentlich an jenem 31. Oktober 1517? Noch in einer Auswahlausgabe von Luthers Werken, die zu Luthers 500. Geburtstag 1983 erschien, beantwortete die Kirchenhistorikern Karin Bornkamm diese Frage so: „Am 31. Oktober 1517 – daran wird man trotz der neuerlichen Diskussion festhalten dürfen – heftete Luther ein Plakat mit 95 Thesen zur Frage des Ablasses an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Er wollte, wie es damals üblich war, an diesem für Anschläge der Universität bestimmten Ort zu einer akademischen Diskussion auffordern.“

Was Karin Bornkamm in ihrer Einführung zu Luthers 95 Thesen schreibt, lässt erkennen, dass es schon vor Jahrzehnten immer wieder Diskussion über das genaue Datum des „Thesenanschlags“ gab. Inzwischen stellen manche Kirchen-historiker*innen aber nicht nur infrage, ob Luther seine Thesen am 31. Oktober 1517 veröffentlicht hat, sondern ziehen auch in Zweifel, ob er sie tatsächlich an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angebracht hat.

Die Verbreitung der 95 Thesen: ein epochales Medienereignis

Unstrittig ist jedoch, was Karin Bornkamm in den beiden nächsten Sätzen ihrer Einführung feststellt: „Die Thesen wurden rasch bekannt, ins Deutsche übersetzt, nachgedruckt und durchliefen in stürmischer Eile ganz Deutschland. Mit einem Schlage war der unbekannte Mönch und Professor im abgelegenen Wittenberg in aller Munde.“

Man könnte die Feststellung Karin Bornkamms auch noch etwas zugespitzter formulieren: Luthers Thesen wurden rasch bekannt, weil sie ins Deutsche übersetzt und mehrfach nachgedruckt wurden. Beides war vor 500 Jahren noch nicht selbstverständlich. Die Sprache der Gebildeten war zu dieser Zeit Latein. Und da Luthers Thesen als Grundlage für eine akademische Diskussion gedacht waren, hatte er sie ursprünglich in lateinischer Sprache abgefasst. Erst die Übersetzung der Thesen in die deutsche Sprache machte sie auch Menschen zugänglich, die nicht akademisch gebildet waren.

Doch auch die deutsche Übersetzung der 95 Thesen wäre vermutlich jenseits der Wittenberger Stadtmauern kaum zur Kenntnis genommen worden, wenn es den Buchdruck noch nicht gegeben hätte. Zwar hatte Johann Gutenberg bereits 1450 in Mainz den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden, der eine schnelle Produktion und Vervielfältigung von Schriften ermöglichte, doch die Auswirkungen von Gutenbergs bahnbrechender Erfindung blieben über Jahrzehnte hinweg gering. Erst Luther und seine Anhänger nutzten die neue Technik als Massenkommunikationsmittel. Sowohl seine 95 Thesen als auch die vielen Schriften Luthers, die danach noch folgen sollten, und nicht zuletzt die Bibel in deutscher Sprache konnten dank des Buchdrucks in relativ kurzer Zeit in ganz Deutschland verbreitet werden. Und erst durch diese schnelle und flächendeckende Verbreitung von Luthers Reformgedanken konnte eine reformatorische Bewegung heranwachsen, die sich bald über ganz Deutschland erstreckte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Luther dem Buchdruck größte Wertschätzung entgegenbrachte. In seinen Tischreden hat er die neue Kommunikationstechnik einmal mit folgenden Worten gewürdigt: „Die hohen Wohltaten der Buchdruckerei sind mit Worten nicht auszusprechen. Durch sie wird die Heilige Schrift in allen Zungen und Sprachen eröffnet und ausgebreitet, durch sie werden alle Künste und Wissenschaften erhalten, gemehrt und auf unsere Nachkommen fortgepflanzt.“

Evangelische Kirche und Medien im 21. Jahrhundert

Ein halbes Jahrtausend nach der Veröffentlichung von Luthers 95 Thesen hat sich die „Medienlandschaft“ nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gravierend verändert. Im 20. Jahrhundert hatten Rundfunk und Fernsehen bereits zu einer erheblichen Ausweitung der bis dahin bestehenden Kommunikationsmöglichkeiten geführt. Für die größte Revolution unserer Kommunikationsmöglichkeiten seit der Erfindung des Buchdrucks hat aber das Internet gesorgt, das einen globalen Austausch von Informationen in kürzester Zeit ermöglicht. Auch die evangelische Kirche nutzt (ebenso wie die römisch-katholische) das Internet längst zur Verbreitung ihrer Anliegen und ihrer Botschaft. Das gilt auch für die Bibel. Verschiedene Übersetzungen der Bibel sind auch im Internet zu lesen. Luther würde das sicher freuen. Denn damit wird auch durch das Internet „die Heilige Schrift in allen Zungen und Sprachen eröffnet und ausgebreitet“. Zudem bieten soziale Medien wie Facebook die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auch über große Entfernungen hinweg über den Glauben austauschen.

Dennoch würde wohl kein Vertreter der evangelischen Kirche auf den Gedanken kommen, in Anlehnung an Luthers Urteil über den Buchdruck von „den hohen Wohltaten des Internet“ zu sprechen.“ Denn es ist offensichtlich, dass den großen Chancen, die das Internet bietet, ebenso große Gefahren entsprechen – auch in religiöser Hinsicht. So wäre es beispielsweise dem sogenannten „Islamischen Staat“ ohne das Internet wohl kaum gelungen, auch Menschen, die in unserem Kulturkreis aufgewachsen sind, für seinen militanten Kampf gegen die westliche Welt zu gewinnen. Je nach den Zwecken, für die das Internet gebraucht wird, kann es Menschen also zum Segen oder zum Fluch gereichen. Die evangelische Kirche steht in den kommenden Jahren daher vor der doppelten Aufgabe, das Internet einerseits konstruktiv für die Verbreitung ihrer Botschaft zu nutzen, aber andererseits auch ihren Beitrag für einen kritischen Umgang mit der neuen Kommunikationstechnik zu leisten.

Internet und Gottesdienst

Bei allen neuen Möglichkeiten, die das Internet zur Verbreitung der christlichen Botschaft und zum Austausch über sie bietet, ist eines jedoch klar: Das Internet wird nie die Kommunikation der christlichen Botschaft im Gottesdienst ersetzen können. Denn hier begegnen sich Menschen – um es mit dem Motto des Abschlussgottesdienstes des Evangelischen Kirchentags in Wittenberg zu sagen – „von Angesicht zu Angesicht“. Und im Gottesdienst wird Menschen die befreiende und frohmachende Botschaft des Evangeliums persönlich zugesprochen. Das wird auch im Reformationsgottesdienst unserer Gemeinde am 31. Oktober so sein, zu dem wir Sie herzlich einladen.

In der Hoffnung, möglichst vielen von Ihnen bei dieser Gelegenheit „von Angesicht zu Angesicht“ zu begegnen, grüßt Sie herzlich
Pfarrer Jürgen Gossler
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief_2017, comic+caricaturen, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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