Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Dezember 2017"
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lk 1,78-79
Gottesdienste
::: 3. Sonntag im Advent, 17. Dez. 2017
18.00 Uhr Gottesdienst mit Empfang des Friedenslichts
::: Mittwoch, den 20. Dezember 2017
19.00 Uhr Adventsandachten
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
15.30 Uhr Familiengottesdienst
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
17.30 Uhr Christvesper für Erwachsene
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
22.00 Uhr Christmette mit Abendmahl
::: 1. Weihnachtstag, 25. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl
::: 2. Weihnachtstag, 26. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst
::: Silvester, 31. Dezember 2017
18.00 Uhr Jahresschlussgottesdienst
::: Neujahr, 1. Januar 2018
18.00 Uhr ökumenischer Gottesdienst zu Beginn des neuen Jahres in der Klosterkirche
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 9 Themen im Gemeindebrief - März, April, Mai, Juni 2017
Liebe Gemeinde!
Luther ist in aller Munde. Das kann man fast wörtlich nehmen. Es gibt Luther-Bonbons, Luther-Kekse und Luther-Wurst. Das sind nur die Sachen, die mir über den Weg gelaufen sind. Sicher gibt es noch mehr Nahrungsmittel, die mit dem Luther-Zusatz versehen sind.

Es gibt auch Luther-Taschen, Luther-T-Shirts, Luther-Kerzen und sicher noch vieles mehr. Merchandising nennt man das. Merchandising ist nach dem Internet-Lexikon Wikipedia „Marketing des Einzelhandels und Ware mit Werbung für Andersartiges wie Popmusik“. Diese „Werbeartikel werden gewöhnlich verschenkt, aber von Verbrauchern auch gekauft.“ Viele kennen das von den Fußballtrikots. Der Käufer zahlt für das T-Shirt seines Vereins und macht gleichzeitig für eine Firma Werbung, die Sponsor des Vereins ist. Ich mache als Käufer Werbung, für die ich noch selbst bezahlt habe – wenn das keine gute Idee ist.

Auch bei den Luther-Artikeln geht es um die Produkte, aber wohl mehr noch darum, auf Luther und seine Gedanken aufmerksam zu machen und die Neugier zu wecken, was es mit Luther und der Reformation auf sich hat.

Für welches Produkt hat Luther geworben? Für eine neue Kirche? Für die Bibel? Oder für seine Schriften? Wollte er als Theologe Kariere machen? Wollte er politischen Einfluss und die damit verbundene Macht? Auf die eine oder andere Weise ist ihm das alles zugefallen und hat sich untrennbar mit den Gedanken der Reformation verbunden. Aber das war nicht sein Anliegen.

Luther ging es um die Freiheit. Er selbst nennt sie selbst das Zentrum seiner Theologie und seiner Gedankenwelt.

Unter Freiheit verstehen wir heute die politische Freiheit und die Freiheit des Menschen. Wir als Menschen sind frei, zu tun und zu lassen, was wir wollen, solange es nicht durch Gesetze begrenzt wird. Wir können unsere Meinung frei sagen, wir können unsere Regierung wählen, unseren Beruf, unsere Lebenspartner, den Ort, wo wir leben wollen, und vor allem, wie wir leben wollen. Freiheit in diesem Rahmen wird immer als Freiheit von Zwang verstanden, der dem sich selbstbestimmenden Menschen im Wege steht. Das sind große Errungenschaften. Und kein vernünftig denkender Mensch, so unterstelle ich, würde hinter die Erklärung der Menschenrechte und hier in Deutschland hinter das Grundgesetz zurückgehen wollen. Diese politische und individuelle Freiheit ist etwas, das für uns Menschen wesentlich und verteidigungswürdig ist. Niemand möchte in einer Diktatur leben.

Diese Form der Freiheit hat Martin Luther so nicht gemeint. Sie war ihm nicht im Bewusstsein, obwohl sie sich auch aus seiner Gedankenwelt speisen kann. Die Freiheit des Gewissens hat mit ihren Ursprung in Luthers Denken. Bekannt sind seine Worte auf dem Reichstag zu Worms 1521, als er von dem Kaiser Karl V. aufgerufen wird, seine Thesen und Schriften zu widerrufen. Luther antwortet: „Ich kann und will nicht widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun. Es sei denn, dass ich mit Zeugnissen der Heiligen Schrift oder mit öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen widerlegt werde, denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilen allein, weil es offensichtlich ist, dass sie oft geirrt und sich selbst widersprochen haben. Gott helfe mir. Amen.“

Luther geht es um die Freiheit des Gewissens und damit um die Freiheit des Christenmenschen. Allein Jesus Christus, so Martin Luther, kann den Menschen in Wahrheit befreien. Es ist die Freiheit, die eigene Existenz nicht selbst rechtfertigen zu müssen und sich auf seine eigenen Leistungen beziehen zu müssen, um ein – von Gott – geliebter Mensch zu sein. Jeder Mensch ist so wertvoll, dass er von Gott gerechtfertigt wird. Gott liebt jeden Menschen so sehr, dass er für ihn und seine Sünde seinen Sohn gegeben hat. Mit anderen Worten: Gott gibt sich selbst ganz für seine Menschen hin. So groß ist die Liebe Gottes zu den Menschen.

Die Freiheit des Menschen besteht nun darin, sich dieses Geschenk gefallen zu lassen. Der Mensch kann Gott gegenüber nur passiv sein, sich ihm Anvertrauen, sich beschenken lassen. Diese Passivität scheint uns Menschen schwer zu fallen. Wir verweisen lieber auf das, was wir selbst bewirkt haben, und machen uns damit voreinander groß, statt uns als geliebte Menschen wahrzunehmen, die aufgrund der Liebe füreinander da sein können.

Die Freiheit, die Luther meint, ist also die, sich von Gott die Würde und Liebe zusprechen zu lassen, und diese dann mit den anderen Menschen zu teilen. Luther möchte, dass wir die Liebe, die wir empfangen haben, weitergeben, so dass wir mit unserem Leben dem anderen bei seinem Leben helfen. Sich und andere aufbauen, sich und dem anderen zu einem guten Leben verhelfen, wobei der Maßstab die Liebe ist - das ist die Freiheit, von der Martin Luther spricht.

Was wäre, wenn Martin Luther nicht nur in aller Munde wäre, sondern seine Gedanken über die Freiheit in unserem alltäglichen Leben verwirklicht werden würde? Eine freie Gesellschaft, die von der Liebe regiert wird. Das wäre eine Reformation der Freiheit und der Liebe. Und daran kann uns die Reformation vor 500 Jahren erinnern.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief 2+3/2017, Privatfotos
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