Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 11 Themen im Gemeindebrief - Nov., Dez. 2016 Januar, Februar 2017
Liebe Gemeinde,
in der dunklen Jahreszeit nimmt die Aktivität der Natur ab. Die Blätter sind von den Bäumen gefallen, manche Tiere, wie die Igel, befinden sich im Winterschlaf und das Rehwild versucht energiesparend zu leben. Als wir Menschen noch mit der Natur lebten – einige sagen vielleicht: leben mussten -, passten wir uns den äußeren Bedingungen an. Der Mensch blieb in seiner Wohnung, zog sich zurück und hatte Zeit sich zu besinnen. Vielleicht kommt daher der Gedanke, der besinnlichen Jahreszeit rund um das Weihnachtsfest.

Wir Menschen heute haben uns zur Aktivität verdammt. Wir müssen immer etwas tun. Unser wirtschaftliches Handeln verlangt das, die Produktion muss ja weiter gehen. Seltsamerweise setzt sich dieser innere Drang auch in unserem Freizeitverhalten fort.

Immer muss etwas getan werden, immer muss bis an die eigenen Grenzen gegangen werden. Gegen diese Haltung habe ich prinzipiell nichts, denn nur so erweitern wir Menschen unsere Grenzen und verbessern unsere Fähigkeiten. Aber zur Anspannung gehört nun einmal die Entspannung, wie man am Wechsel der Jahreszeiten unschwer ablesen kann. Um Wachsen zu können, muss man Nahrung aufnehmen; damit Muskeln wachsen können, müssen sie sich nach der Anspannung regenerieren können.

Und da bin ich bei einem Phänomen, das mir besonders bei vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Kirchen, den Wohlfahrtsorganisationen, in der Politik und in den Vereinen auffällt: Sie nehmen sich keine Zeit zu entspannen. Vielmehr meinen viele noch mehr tun zu müssen und überfordern sich selbst – und damit letztlich auch andere, auch die, denen sie helfen sollen.

Es leuchtet unmittelbar ein, dass wenige nicht alles erreichen können. Die Frage, die sich einem in diesem Zusammenhang stellt, ist: Wo ist der Rest der Gesellschaft? Es ist leicht zu fordern, aber wo sind sie dann, wenn es gilt, diese Forderungen zu erfüllen? Wir wollen eine Gesellschaft, in der man sich gegenseitig hilft; dann muss ich, sofern ich kann, meinen Beitrag dazu leisten. Wir wollen die Integration der Geflüchteten; dann müssen wir bereit sein, unsere freie Wohnung an sie zu vermieten. Wir müssen ihnen helfen, in diesem Land anzukommen. Ohne unseren Beitrag geht es nicht. Als Bürger habe ich eben nicht nur Rechte, also dass ich von anderen etwas bekomme. Ebenso gibt es auch die Pflicht, dass ich für andere etwas tue. Eine unbequeme Wahrheit, aber soziales Leben funktioniert nun einmal so.

Und all denen, die sich engagieren, möchte ich besonders den Rat von Bernhard von Clairvaux auf den Weg geben. Er, der Reformierer des Benediktinerordens aus dem Mittelalter, der mit vielen Menschen zusammengearbeitet hat, schreibt an seine Mitarbeitenden im sozialen Bereich:

„Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, nicht als Kanal,
der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter, denn sie weiß, dass der verflucht ist, der seinen Teil verringert...“


Wir haben heutzutage viele Kanäle …, aber sehr wenige Schalen.
Diejenigen, durch die uns die himmlischen Ströme zufließen, haben eine so große Liebe,
dass sie lieber ausgießen wollen als dass ihnen eingegossen wird,
dass sie lieber sprechen als hören,
dass sie bereit sind zu lehren, was sie nicht gelernt haben, und sich als Vorsteher über die anderen aufspielen, während sie sich nicht regieren können.

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigebiger als Gott zu sein.
Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle... Du tue das Gleiche!

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen...
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du gut?

„Wenn du kannst, hilf mir aus der Fülle, wenn nicht, schone dich.“

Ich möchte lernen, eine Schale zu sein, weil ich von der Quelle lebe, die Gott selber ist. Alles andere ergibt sich von selbst.

Aus diesem Grund lade ich Sie ein, die besinnliche Jahreszeit, Herbst und Winter zu nutzen, sich von Gott füllen zu lassen. Orte der Füllung sind unter anderem Gottesdienste und Andachten, in denen Gott durch die biblischen Texte, die Auslegungen, die Lieder und Gebete mit uns handeln und uns füllen will, damit wir wieder – und vielleicht auch neu – anderen Menschen helfen können.

Denn wenn ich schlecht mit mir umgehe, wie kann ich dann einem anderen Gutes tun, wenn ich es noch nicht einmal mir selbst tun kann?

Ihnen eine gesegnete Zeit,
Ihr Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief 06.2016 und 01.2017, Offiz. Webseiten WGT 2017, Privatfotos
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