Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
6. von 12 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2016
Ich optimiere mich selbst?!
Wir leben in einer Zeit, in der Leistung und Geld alles ist. Wer in unserer Gesellschaft nichts leistet, der fällt aus ihr heraus und wird an den Rand gedrängt. Er gehört nicht mehr dazu. Sie wollen widersprechen? Wo befinden sich die alten Menschen, die Kranken, die Einsamen, die Kinder? Haben wir nicht als Gesellschaft dafür Institutionen geschaffen wie das Altenheim, das Hospiz, die Jugendtreffs? All das sind Institutionen, in denen Menschen mit einem bestimmten Merkmal gebündelt werden. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Problematisch wird es aber dann, wenn Geburt und Tod, Jugend und Alter aus dem Bewusstsein der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen werden, wenn nur eine Lebensform das Bewusstsein einer Gesellschaft dominiert. Ist eine Gebärende krank oder ein Sterbender, so dass sie oder er ins Krankenhaus muss? Warum kann man nicht zu Hause gebären? Warum darf man nicht im eigenen Bett sterben? Sehe ich von medizinischen Notwendigkeiten ab, so doch wohl deshalb, weil es nicht zu dem selbstoptimierenden Menschen passt. Bei meiner Geburt bin ich schwach und im Sterben bin ich schwach, hilflos, wehrlos. Ich bin als Mensch in diesen Situationen nicht optimal – ich leiste nichts.

Heute muss der Mensch sich selbst optimieren. Das bedeutet nach der Zeitschrift „Die Zeit“: „Das tollere Ich. Weniger schlafen, produktiver arbeiten, besser leben: Wie Menschen sich mithilfe der Technik selbst optimieren.“ Am Anfang und am Ende meines Lebens hilft keine Technik. Als Mensch bin ich dem Leben und damit Gott ausgeliefert: Ich muss vertrauen, dass ich getragen werde. Ich muss vertrauen, dass Jesus Christus mein einziger Trost im Leben und Sterben ist, wie es im Heidelberger Katechismus heißt. Gerade an den Grenzen des Lebens zeigt sich, dass wir Menschen auf jemanden und etwas angewiesen sind, das wir weder selber machen können noch über das wir verfügen können, über den Schöpfer und die Schöpfung.

Auch die Laktatwerte, die die körperliche Leistungsfähigkeit eines Menschen bestimmen, gehören zu den menschlichen Konstitutionen, die mir genetisch gegeben sind. Ich kann meine Leistung ausbauen; ich kann meine Fähigkeiten verbessern. Aber sie haben – Gott sei Dank! – Grenzen, über die ich nicht verfügen kann. Wir Menschen sind endliche, irrende, wenig wissende Wesen. Das sollte uns demütig und bescheiden machen. Gleichzeitig traut Gott uns zu, im Rahmen unserer Fähigkeiten, unser Leben selbst zu gestalten. Gott traut uns zu, selbstwirksam zu sein.
Dass Menschen selbstwirksam sein können, hat der Psychologe Albert Bandura in den 1970er Jahren entwickelt. (Schon Jesus traut den Menschen zu, sich selbst zu entwickeln; ein Blick in die Gleichnisse, die er erzählt hat, zeigt das.)

Selbstwirksamkeit, so die Definition, ist die Erwartung eines Menschen, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können. Ein Mensch, der daran glaubt, selbst etwas zu bewirken und auch in schwierigen Situationen selbstständig handeln zu können, hat demnach eine hohe Selbstwirksamkeit. Dieser Mensch nimmt an, dass er gezielt Einfluss auf Dinge und Situationen nehmen kann, statt äußeren Umständen, anderen Menschen, dem Zufall oder anderen unkontrollierbaren Faktoren ausgeliefert zu sein. Als Christen vertrauen wir darauf, dass es Gott ist, dem wir „ausgeliefert“ sind, besser: dass Gott alles für seine Menschen zum Guten tut, auch wenn wir das manchmal nicht verstehen. Oder wie Paulus im Römerbrief (8,28) schreibt: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten dient.“

Statt uns selbst immer mehr zu optimieren, d.h. uns immer mehr unter den Zwang zu begeben, leisten zu müssen, können wir Christen gelassen schauen, welche Fähigkeiten wir von Gott geschenkt bekommen haben und diese dann sinnvoll entwickeln. Im meinen Fall heißt das: Obwohl ich gerne schnell und lange laufen möchte, werde ich mein Leben lang nur wenig schneller als eine Schildkröte sein, mehr geht nicht. Dafür kann ich länger laufen als sie und das kann ich ausbauen.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief_comic+caricaturen, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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