Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 12 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2016
Auf dem Weg zu einem „ökumenischen Reformationsjubiläum“
Liebe Gemeinde,
große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ein großes Ereignis verspricht auch das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr zu werden. Am 31. Oktober 2017 werden evangelische Christen in aller Welt des Ereignisses gedenken, mit dem die Reformation begann.

Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel
Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche. In diesen Thesen widersprach Luther der Behauptung, dass Menschen sich durch den Kauf von Ablassbriefen von den Sündenstrafen freikaufen könnten, die sie sonst nach ihrem Tod zu erwarten hätten. Denn Luther war durch sein intensives Studium der Bibel zu der Gewissheit gelangt, dass es gegen unsere Sünden nur ein wirksames Mittel gibt, nämlich die Gnade Gottes. Und die kann man sich durch kein Geld der Welt erkaufen. Und man braucht es auch nicht. Denn durch seinen Sohn Jesus Christus hat Gott uns gezeigt, dass er uns seine Gnade schenkt.

Rückbesinnung auf die Quelle des christlichen Glaubens
Mit seinen 95 Thesen wollte Luther eigentlich nur eine Diskussion in Gang bringen, die auf Reformen innerhalb der römisch-katholischen Kirche zielte. Er hatte also nicht die Absicht, eine zweite Kirche neben der römisch-katholischen zu gründen. Es ging Luther vielmehr um eine Rückbesinnung auf die Quelle des christlichen Glaubens. Und diese Quelle war für ihn allein das Evangelium von Jesus Christus. Man könnte auch sagen: Im Zentrum von Luthers Reformbestrebungen stand die Frage nach der christlichen Wahrheit: nach der Wahrheit, wie sie im Evangelium von Jesus Christus bezeugt ist. Unvereinbare Auffassungen in dieser Frage sowie eine Verquickung kirchlicher und weltlicher Machtinteressen führten jedoch schließlich zur Abspaltung der evangelischen von der römisch-katholischen Kirche.

Trauer über die Kirchenspaltung
Seit dem Beginn dieser Ereignisse ist nun fast ein halbes Jahrtausend vergangen. Am 31. Oktober 2017 begehen wir das 500. Jubiläum der Reformation. Die Bedeutung, die diesem Ereignis beigemessen wird, lässt sich schon daran erkennen, dass dieser Tag in Deutschland nationaler Feiertag sein wird. Aber was feiern wir eigentlich an diesem Tag? Die negative Antwort auf diese Frage lautet: Wir feiern nicht 500 Jahre Kirchentrennung. Denn dann müsste man diesen Tag nicht als nationalen Feiertag, sondern als internationalen Trauertag begehen. Denn die Spaltung der Kirche widerspricht dem erklärten Willen Jesu Christi, dass die Menschen, die an ihn glauben, „alle eins seien“ sollen (Johannes 17,21).

Freude über die erneuernde Kraft des Evangeliums
Anlass zur Freude und Grund zum Feiern gibt im Rückblick auf die von Luther ausgelöste Reformation etwas ganz anderes: Es hat sich gezeigt, dass die Frage nach der Wahrheit des Evangeliums die Kraft hat, eine in ihren alten Machtstrukturen festgefahrene Kirche aufzubrechen und zu erneuern. Und diese Kraft muss immer wieder zur Geltung gebracht werden, um die Kirche lebendig zu erhalten. In der evangelischen Kirche gilt deshalb schon seit der Reformationszeit der Grundsatz: „Ecclesia semper reformanda.“ Zu Deutsch: „Die Kirche muss immer wieder reformiert werden.“ Dieser Grundsatz wäre meines Erachtens auch eine gute Grundlage für den künftigen ökumenischen Dialog. Denn die Einsicht, dass auch die eigene Kirche immer reformbedürftig ist, könnte auch die Augen dafür öffnen, dass man von der anderen Kirche vielleicht sogar etwas lernen kann!

Die verbindende Kraft des Glaubens
Dass es in einigen Fragen der christlichen Lehre nach wie vor Unterschiede zwischen den beiden großen Kirchen gibt, braucht nicht verschwiegen zu werden. Es sollte aber auch nicht vergessen werden, dass es seit der Reformation im 16. Jahrhundert zu keiner Zeit so große Annäherungen zwischen römisch-katholischer und evangelischer Kirche gegeben hat wie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und deshalb unterscheidet sich die Situation bei der Feier des 500. Reformationsjubiläums fundamental von der Situation, die einst zur Kirchenspaltung führte. Ich bin davon überzeugt, dass heute sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelischen Kirche die meisten Menschen, denen der christliche Glaube etwas bedeutet, den Satz unterschreiben würden: „Das, was uns als katholische und evangelische Christen miteinander verbindet, ist größer und wichtiger, als das, was uns (noch) voneinander trennt.“

Mit einer Stimme sprechen
Wenn wir uns aber der verbindenden Kraft des gemeinsamen Glaubens bewusst sind, können wir in vielen gesellschaftlichen Fragen mit einer Stimme sprechen. Und das ist nicht nur möglich, sondern auch nötig. Denn im Gegensatz zum 16. Jahrhundert leben wir heute längst nicht mehr in einer geschlossenen christlichen Gesellschaft. Von den etwa 82 Millionen Einwohnern Deutschlands gehören heute nur noch etwas weniger als 50 Millionen einer christlichen Kirche an. Wir erhöhen daher unsere Chance, in unserer Gesellschaft überhaupt noch
gehört zu werden, wenn wir mit einer Stimme sprechen. Wir wollen das Reformationsjubiläum deshalb nicht dazu benutzen, um uns von der römisch-katholischen Kirche abzugrenzen, sondern erhoffen uns Impulse, die die Verbundenheit mit unserer Schwesterkirche stärken.

Wir laden Sie deshalb ein, sich auf den Weg zu machen zu einem „ökumenischen Reformationsjubiläum“. Eine Übersicht über die ersten Veranstaltungen auf diesem Weg finden Sie auf der nächsten Seite dieses Gemeindebriefs.

In der Hoffnung, dass wir uns bei der einen oder anderen Veranstaltung begegnen, grüßt Sie herzlich
Pfarrer Jürgen Gossler
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief_comic+caricaturen, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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