Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
6. von 9 Themen im Gemeindebrief - März, April, Mai, Juni 2016
Liebe Gemeinde,
das Klima, was ist mit ihm? Die Frage stellt sich mir, wenn ich in unseren Tagen auf die Lage der Welt schaue. Beim Klima fallen mir zwei Dinge ein: Einmal die Klimakonferenz in Paris mit ihrer Abschlusskundgebung am 12. Dezember 2015. Unvergessen ist für mich das Bild der vor Freude weinenden Umweltministerin Barbara Hendricks. Auf dem 21. Weltklimagipfel in Paris wurde ein historisches Klimaabkommen verabschiedet. Zum ersten Mal verpflichteten sich alle 195 Vertragsstaaten, ihren Treibhaus-gasausstoß in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null zu bringen. Alle fünf Jahre sollen die vorgelegten Klimaaktionspläne der einzelnen Länder überprüft und verbessert werden, damit das Ziel erreicht werden kann, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung zu halten und sogar 1,5 Grad anzustreben.

Für mich ist das von großer Bedeutung, weil das Klima unsere Lebensgrundlage bildet. So warnte die Weltbank am 08. November 2015 noch in ihrem Bericht „Shock Waves. Managing the Impacts of Climate Change on Poverty“ vor einem Scheitern der Verhandlungen in Paris. Werde nicht schnell etwas gegen die Erderwärmung getan, könne dies bedeuten, dass zusätzlich mehr als 100 Millionen Menschen in die Armut abrutschen. Und Armut ist eine der Fluchtursachen. Alles hängt miteinander zusammen. Unser Klima hängt davon ab, wie wir leben, welche Dinge wir konsumieren, wie wir mit unserer Erde umgehen, auf der wir unser tägliches Brot anbauen. Und unser Umgang hat Folgen für das Klima in unserer Gesellschaft. Mit unserem Umweltverhalten begründen wir Fluchtursachen, so dass ich beim zweiten Moment des Klimas bin, nämlich dem gesellschaftlichen.



Bei der Flüchtlingsfrage droht das Klima zu kippen und die Willkommenskultur in eine Kultur der Feindschaft umzuschlagen. Um es vorweg zu sagen, ich habe keine Patentvorschläge und ich glaube auch, dass es keine gibt, sondern dass wir uns pragmatisch an den Problemen abarbeiten müssen. Konkret bedeutet das, dass wir uns bei dem Problemlösungen auf das konzentrieren sollten, was wir lösen können, ohne die christliche Richtschnur der Liebe aus den Augen zu verlieren.

Lassen Sie mich aus dem 1.Johannesbrief 4,7- 21 ausführlich nach der Übersetzung der Zürcher Bibel zitieren, die den Abschnitt mit „Die Vollendung des Glaubens in der Liebe“ überschreibt. Der Apostel schreibt dort: „Ihr Lieben, lasst uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott gezeugt, und er erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Darin ist die Liebe Gottes unter uns erschienen, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt hätten, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühne für unsere Sünden. Ihr Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir verpflichtet, einander zu lieben. Niemand hat Gott je geschaut. Wenn wir aber einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist unter uns zur Vollendung gekommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns: Dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. Und wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und ihr geglaubt. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Darin ist die Liebe unter uns zur Vollendung gekommen: Dass wir dem Tag des Gerichts mit Zuversicht entgegensehen sollen, denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, nein, die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich also fürchtet, ist in der Liebe nicht zur Vollendung gekommen. Wir aber lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und er hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder, den er vor Augen hat, nicht liebt, kann nicht Gott lieben, den er nicht vor Augen hat. Und dieses Gebot haben wir von ihm: dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“ Soweit der Apostel.

Folgende Gedanken möchte ich herausgreifen aus dem Hymnus und der Feier der Liebe. Erstens, es ist das Wesen des christlichen Lebens zu lieben. Gott ist Liebe; und weil Gott Liebe ist, verwirklichen wir Christen / sollen wir Christen die Liebe Gottes in der Welt verwirklichen. Dass das nicht ohne Konflikte vor sich geht, weiß jeder. Aber es ist ein Unterschied, ob Konflikte im Geist der Liebe und d.h. im Geist der Achtung und des Respektes vor dem Anderen ausgetragen werden, oder ob es um die Durchsetzung von eigenen (Macht)Interessen geht. Der Geist der Liebe lässt die Menschen aufeinander zugehen und das Verbindende suchen, der Geist der Lieblosigkeit sucht das Eigene durchzusetzen.

Ein zweites. Gott hat uns seinen Geist gegeben. Als Christen können wir nicht einfach so moralische Verhaltensweisen aus der Bibel ableiten. Das wäre ein unbiblischer Fundamentalismus. Als Christen haben wir den Geist Gottes, der ein Geist der Liebe ist, und der immer in konkreten Situationen und Problemstellungen nach Lösungen sucht. Gott traut uns zu, in seinem Geist konkrete Probleme mutig, hoffnungsvoll und zuversichtlich anzugehen und eine konkrete, zeitbedingte Lösung zu finden, die dem Geist der Liebe entspricht.

Ein drittes. Liebe ist kreativ, weil Gott kreativ ist. Gott sandte seinen Sohn als Retter für uns Menschen. Schaue ich auf das Leben Jesu, so sehe ich, wie Jesus sich in immer neuen Situationen und Frage-stellungen kreativ verhalten hat. Gott hat als Rettung kein starres Prinzip offenbart, sondern der Retter ist eine Person, die in Situationen immer wieder neu und überraschend auf die ihm begegnenden Menschen ein-gegangen ist. Wenn Liebe kreativ ist, weil Gott kreativ ist und wir den Geist Gottes, der ein Geist der kreativen Liebe ist, haben, so können wir darauf vertrauen, dass wir kreative Lösungen für unsere Probleme finden.

Und schließlich ein viertes. Liebe ist immer konkret. Die Liebe Gottes orientiert sich an dem Nächsten, der vor mir steht und dessen Bedürfnisse und Belange ich im Blick haben soll. Und das werden immer auch andere Bedürfnisse und Belange sein, weil jeder Mensch ein einzigartiges, von Gott geliebtes Individuum ist.

Als Fazit ergibt sich für mich, dass wir als Christen kreative Liebende sind, die vom Geist Gottes beflügelt und motiviert werden, uns den Schwierigkeiten dieser Welt – dem Klimaproblem – zu stellen und zu Lösungen beizutragen. Dass das nicht einfach wird, weiß jeder, der sich engagiert. Dass das aber möglich ist, zeigt mir die Weltklimakonferenz, wo sich 195 Vertragsstaaten mit unter-schiedlichen Vorstellungen, Aus-gangslagen und Interessen geeinigt haben. Im Geist der Liebe ist es möglich so unsere Probleme in der Welt zu lösen, dass ein gutes Weltklima und ein liebevolles gesellschaftliches Klima entstehen kann.
Ihr Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief 2+3/2016, Privatfotos, Hartmut Zimmermann
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