Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 9 Themen im Gemeindebrief - März, April, Mai, Juni 2016
Liebe Gemeinde!
Wir gehen auf Karfreitag und Ostern zu. Ohne diese beiden Tage gäbe es das Christentum nicht. Wäre Jesus nicht Karfreitag für uns gestorben und hätte Gott ihn nicht Ostern nach drei Tagen auferweckt, so wäre Jesus vielleicht ein bedeutender Mensch gewesen, mehr aber nicht.

Karfreitag und Ostern sind für unseren christlichen Glauben das Zentrum. Wir haben uns durch unsere Tradition und unsere Kultur so daran gewöhnt, aber was es bedeutet, was es mit meinem persönlichen Leben zu tun hat, ist vielen von uns fremd. Karfreitag und Ostern mit den Ostereiern, dem Osterfrühstück, der Gemeinschaft in der Familie, dem Urlaub vielleicht, all das hat bei uns Tradition. Und das ist gut, dass wir diese Traditionen haben.

Aber Traditionen sollten uns nicht davon abhalten, dass wir uns immer wieder neu darum bemühen, zu verstehen, woher diese Traditionen kommen. Wir schauen bei Traditionen auf den Fluss und dabei haben wir die Quelle vergessen, aus der sie stammen und ihre Kraft und Berechtigung beziehen. Wer Karfreitag und Ostern feiert, kehrt zur Quelle zurück. Wer Karfreitag und Ostern feiert, sucht das Geheimnis Gottes in Jesus Christus zu entdecken.

Ein Rätsel kann man lösen, ein Geheimnis kann man nur immer wieder neu zu verstehen suchen. So ist es mit Karfreitag und Ostern. Am 27. März 1944 schreibt Dietrich Bonhoeffer in einem Osterbrief aus dem Gefängnis in Berlin-Tegel an seinen Freund Eberhard Bethge: „Mit dem Sterben fertig werden bedeutet noch nicht mit (dem) Tod fertig werden. Die Überwindung des Sterbens ist im Bereich menschlicher Möglichkeiten, die Überwindung des Todes heißt Auferstehung. … Von der Auferstehung her leben – das heißt doch Ostern. Findest du auch, dass die meisten Menschen nicht wissen, woher sie eigentlich leben?“

Für den Schweitzer Pfarrer und Dichter Kurt Marti bedeutet aus dem Geheimnis von Ostern leben ein Leben für Gerechtigkeit. So formuliert er in seinem „Anderen Osterlied“: Das könnte den Herren der Welt ja so passen, / wenn erst nach dem Tod Gerechtigkeit käme, / erst dann die Herrschaft der Herren, / erst dann die Knechtschaft der Knechte / vergessen wäre für immer! // Das könnte den Herren der Welt ja so passen, / wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe, / wenn hier die Herrschaft der Herren, / wenn hier die Knechtschaft der Knechte / so weiterginge wie immer. // Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden, / ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle / zur Auferstehung auf Erden, / zum Aufstand gegen die Herren, / die mit dem Tod uns regieren!

Kurt Marti kann das Ostergeheimnis auch anders formulieren: „das leere grab // ein grab greift / tiefer / als die gräber / gruben // denn ungeheuer / ist der vorsprung tod / am tiefsten / greift / das grab das selbst / den tod begrub / denn ungeheuer / ist der vorsprung leben.“

Meine Lieblingskarfreitags- und Osterverse stammen von Paulus, die er im 2. Korintherbrief 5,19-21 formuliert: „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

Die Worte des Apostels scheinen auf den ersten Blick ein wenig zahmer zu sein als das Osterlied von Kurt Marti, aber alle drei Texte leben und sprechen von dem, was Karfreitag und Ostern in Jesus Christus geschehen ist. Wichtig ist nicht, für welche Formulierung man sich entscheidet, wichtig ist nicht, ob man eine eigene Formulierung findet, wichtig ist vielmehr, dass jeder von uns weiß, woher er lebt. Sich das erneut zu vergegenwärtigen laden uns die Karfreitag- und Ostergottesdienste ein. Übrigens: Versöhnung ist ohne Gerechtigkeit und Überwindung des Todes nicht zu haben. So sind Paulus und Kurt Martis „Anderes Osterlied“ dann doch enger miteinander verbunden als es die Formulierungen glauben lassen.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Passions- und Osterzeit,
Ihr Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief 2+3/2016, Privatfotos, Hartmut Zimmermann
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