Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 11 Themen im Gemeindebrief - Nov., Dez. 2015 Januar, Februar 2016
Liebe Gemeinde,
in den vergangenen Monaten haben Hunderttausende von Flüchtlingen in unserem Land Zuflucht gesucht. Vielerorts sind sie mit großer Hilfsbereitschaft aufgenommen worden. Auch in Hünfeld. Doch in mehreren Städten gab es auch Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Sie wurden von Menschen verübt, die in allen Fremden eine Bedrohung sehen, und am liebsten alle Ausländer, die in Deutschland wohnen, des Landes verweisen würden. Doch was würde eigentlich passieren, wenn diese Menschen mit ihren ausländerfeindlichen Parolen Erfolg hätten? Die Antwort auf diese Frage gibt die folgende Geschichte, die man auch als Adventsmärchen bezeichnen könnte.

Ein Adventsmärchen
Es geschah am Anfang der Adventszeit. Auf dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatten ein paar dunkle Gestalten im Schutz der Dunkelheit einen Spruch an eine Hauswand gesprüht. Er bestand nur aus zwei Worten: „Ausländer raus!“ Bei Tageslicht konnte man den hässlichen Spruch kaum übersehen. Aber die Menschen, die am nächsten Tag daran vorbeiliefen, um den Weihnachtsmarkt zu besuchen, nahmen ihn kaum zur Kenntnis. Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen. Niemand schien sich an dem hässlichen Spruch zu stören.

Doch die vielen schönen Produkte, die die Händler auf dem Markt feilboten, nahmen den Spruch ernst. Die Folge war eine große Ausreisewelle. Die ersten, die die Konsequenzen zogen, waren die Bananen. Sie reisten kurz entschlossen zurück nach Nicaragua. Der Kaffee schloss sich spontan an und machte sich auf den Weg nach Tansania. Der Tee trat die weite Reise nach Ceylon an und den Kakao zog es mit aller Macht zurück nach Ghana – und mit ihm natürlich die Schokolade. Der Zucker reiste gen Kuba und die Ananas zurück in die Südsee. Weihnachtsleckereien wie Spekulatius, Lebkuchen und Zimtsterne verloren mit einem Mal ihren Duft. Denn die Gewürze in ihrem Inneren zog es zurück nach Indien.

Als sich die verdutzten Händler von ihrem ersten Schreck erholt hatten, nahmen sie die Verfolgung auf. Doch mit ihren Autos kamen sie nicht weit. Die begannen nämlich, sich in ihre Einzelteile aufzulösen. Das Aluminium kehrte nach Jamaika zurück, das Kupfer nach Somalia, das Eisen nach Brasilien und der Naturkautschuk nach Zaire. Bis zum Abend hatten alle ausländischen Produkte das Land verlassen.

Der Weihnachtsmarkt wirkte trostlos. Von „fröhlichen Weihnachten“ konnte keine Rede mehr sein. Nicht einmal in den Gottesdiensten zum Heiligen Abend. Denn die Melodie von „O du fröhliche“ war zurückgekehrt nach Sizilien. Und die Krippen blieben natürlich auch leer. Denn Jesus stammt bekanntlich aus Israel.

Vielfalt als Bereicherung
Ich finde, dieses Adventsmärchen veranschaulicht gut, wie sehr unser Leben schon von anderen Ländern und Kulturen durchdrungen ist. Und niemand stört sich daran. Denn indische Gewürze machen einen deutschen Weihnachtsmarkt noch lange nicht zu einem fernöstlichen Bazar. Aber so mancher Genuss bliebe uns gerade in der Adventszeit versagt, wenn die vielfältigen Produkte aus aller Herren Länder unsere Märkte nicht bereichern würden. Das sollte uns zu denken geben. Denn vielleicht ist das ja mit den Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, auch so. Auch sie können für uns zu einer Bereicherung werden, wenn es uns gelingt, sie in unsere Lebenswelt zu integrieren. Schon in unserem eigenen Interesse sollten wir diese Menschen daher nicht ausgrenzen.

Die Weihnachtsbotschaft
Die Botschaft des Weihnachtsfestes, auf das wir uns nun wieder zubewegen, grenzt jedenfalls keinen aus.
Der Verkündigungsengel spricht nämlich von der „großen Freude, die allem Volk widerfahren wird“. Also nicht nur dem Volk Israel, zu dem Jesus gehört, sondern auch allen anderen Völkern – und damit auch unserem Volk. Gott sei Dank!

Die weltumspannende Botschaft, die zu Weihnachten erklingt, überwindet die Grenzen, die Menschen immer wieder errichten. Parolen wie „Ausländer raus!“ stehen deshalb zur Weihnachtsbotschaft in einem unvereinbaren Gegensatz. In einem Lied aus unserem Gesangbuch heißt es: Jesus ist in unsere Welt gekommen, „damit aus Fremden Freunde werden“ (EG 639). Doch das wird nur geschehen, wenn wir unsere Herzen für seine Botschaft öffnen und seinem Beispiel folgen. Wenn wir uns vom Geist Jesu inspirieren lassen und dazu beitragen, dass aus Fremden Freunde werden, dann hat die Weihnachtsbotschaft ihr Ziel erreicht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Ihr Pfarrer
Jürgen Gossler
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief 01.2016, Offiz. Webseiten WGT 2016, Privatfotos, Foto Chor: Käsmann
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