Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
4. von 9 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2014
Eine Meditation über das Gespräch
Ja, ich gebe zu, auch ich rufe meine Kinder auf dem Handy an, wenn ich keine Lust habe durch das Pfarrhaus zu laufen. Und ich rufe meine Frau an, wenn sie vor der Tür steht, weil ich keine Lust habe, die Treppen runter zu laufen.

Aber sind das schon wirkliche Gespräche? Oder ist das nicht vielmehr das Abfragen einer Information? „Wo bist du? Ich habe eine Nachricht für dich.“ Persönlich ist das jedenfalls nicht.

„Wir Menschen sind Gespräch.“ Diese Erkenntnis geht aus der biblischen Tradition hervor. Gott spricht, so beginnt die Schöpfung. Gott redet mit uns, durch Jesus Christus, durch seinen Geist, durch die Predigt. Und wir verstehen, können verstehen, wenn wir wollen. Er redet mit uns, wenn wir in der Bibel lesen, uns über das Gelesene Gedanken machen, darüber mit anderen sprechen. Er redet mit uns in und durch unser Gewissen. Er spricht uns an mit Gedanken aus der Predigt, einem Liedvers oder durch ein einzelnes Wort, das uns gut tut und weiterhilft.

„Wir Menschen sind Gespräch.“ Kinder können sich nicht entwickeln, wenn keiner mit ihnen von Geburt an spricht. Menschen werden krank und einsam, wenn keiner sie anspricht. Heilung geschieht nicht nur durch Medikamente, sondern ebenfalls durch echte Gespräche.

Echte Gespräche zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Partner begegnen. Die Partner wenden sich einander zu. Jeder sieht den Anderen, seinen Gesichtsausdruck, seine Gesten, seine Körperhaltung. Jeder hört die Stimme des Anderen, ihre Tonlage, ihre Kraft.

Wir leben von Gesprächen. Unser Geist wird durch Gespräche bewegt und angeregt. Wir entwickeln uns weiter durch gute Gespräche. Böse und negative Worte entfalten eine zerstörerische Macht. Ein gutes und Mut machendes Wort beflügelt uns und hilft, Probleme zu lösen. Es macht frei und entfaltet die Phantasie. Ein negatives Wort macht das Denken eng und zerstört unser Vertrauen ins Leben. Worte haben Macht über uns, weil wir Menschen Gespräch sind.



Im alten Testament, genauer: in einem der Gesetzbücher, wird den Israeliten folgendes gesagt: „Gott demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“ (Deuteronomium 8,3) Gott hat sein Volk Israel auf dem Weg in das verheißene Land die Erfahrung machen lassen, dass Nahrung zwar satt macht, aber zum wahren menschlichen Leben das Wort, die Anrede und Ansprache, das Gespräch gehört.

Jesus hat zeit seines Wirkens mit den Menschen gesprochen. Er hat sie direkt angesprochen, sie wahrgenommen und hat versucht, sie und ihre Lebenslage zu verstehen. In einem dieser Gespräche macht er folgende Aussagen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Johannesevangelium 14,6) Im Gespräch ergibt sich diese Aussage. Und das heißt, nur in dem immerwährenden Gespräch hat diese Aussage ihre Wahrheit. Wer sich auf das Gespräch mit Jesus einlässt, wird erfahren, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, dass wir Menschen von dem Gespräch mit Gott leben.

Für unsere alltäglichen Gespräche heißt das, dass wir wirklich zu jemandem sprechen müssen und / oder auf jemanden wirklich antworten müssen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Gespräche verändern uns Menschen. Sie machen uns niedergeschlagen oder sie öffnen uns neue Perspektiven. Der Religionsphilosoph Martin Buber hat einmal geschrieben:

„Der Mensch wird am Du zum Ich“. Zur Menschwerdung und zum Menschsein braucht es immer zwei, ein Du und ein Ich. Und im Gespräch begegnen wir uns als Du und als Ich. Nur so, wenn wir wirklich miteinander reden, uns wahrnehmen, uns begegnen, im Gespräch also, werden und sind wir Menschen.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief_comic+caricaturen, Fotostudio Daniel, Privatfotos, Elli Schulz
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