Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Dezember 2017"
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lk 1,78-79
Gottesdienste
::: 3. Sonntag im Advent, 17. Dez. 2017
18.00 Uhr Gottesdienst mit Empfang des Friedenslichts
::: Mittwoch, den 20. Dezember 2017
19.00 Uhr Adventsandachten
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
15.30 Uhr Familiengottesdienst
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
17.30 Uhr Christvesper für Erwachsene
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
22.00 Uhr Christmette mit Abendmahl
::: 1. Weihnachtstag, 25. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl
::: 2. Weihnachtstag, 26. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst
::: Silvester, 31. Dezember 2017
18.00 Uhr Jahresschlussgottesdienst
::: Neujahr, 1. Januar 2018
18.00 Uhr ökumenischer Gottesdienst zu Beginn des neuen Jahres in der Klosterkirche
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 9 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2014
Liebe Gemeinde,
ein trauriges Jubiläum rückt näher. Am 1. August jährt sich zum 100. Mal der Beginn des Ersten Weltkriegs. In den Publikationen, die aus diesem Anlass schon erschienen sind, wird er oft als „die Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Der Erste Weltkrieg und die evangelische Kirche
Eine umstürzende Wirkung hatte der Erste Weltkrieg auch auf die evangelische Theologie. Der evangelische Theologe Karl Barth schreibt im Rückblick auf das Jahr 1914:

„Mir persönlich hat sich ein Tag am Anfang des Augusts jenes Jahres als der Dies ater (= Unglückstag) eingeprägt, an welchem 93 deutsche Intellektuelle mit einem Bekenntnis zur Kriegspolitik Kaiser Wilhelms II. und seiner Ratgeber an die Öffentlichkeit traten, unter denen ich zu meinem Entsetzen auch die Namen so ziemlich aller meiner bis dahin gläubig verehrten theologischen Lehrer wahrnehmen musste. Irre geworden an ihrem Ethos, bemerkte ich, dass ich auch ihrer Ethik und Dogmatik, ihrer Bibelauslegung und Geschichtsdarstellung nicht mehr werde folgen können, dass die Theologie des 19. Jahrhunderts jedenfalls für mich keine Zukunft mehr hatte.“

Diese Reaktion Karl Barths auf die Unterstützung der deutschen Kriegspolitik durch evangelische Theologen ist bemerkenswert. Denn die kriegskritische Haltung, die Karl Barth hier an den Tag legt, stellte damals sowohl in der deutschen Gesellschaft als auch in der evangelischen Kirche eine Ausnahmeposition dar. Und daran hat sich auch nach dem Ersten Weltkrieg trotz all seiner Schrecken nichts Grundlegendes geändert. Erst die noch größere Katastrophe des Zweiten Weltkriegs hat bei der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der evangelischen Kirche zu einer Abkehr von der Auffassung geführt, dass Krieg eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei.

Die Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg
Die grundlegende ethische Einsicht, die man aus der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gewonnen hatte, schlug sich in dem Satz nieder:

„Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“

Ich bin davon überzeugt, dass die breite Mehrheit der deutschen Bevölkerung diesem Satz auch heute noch zustimmen würde. Aber was heißt das? Wenn wir damit nur meinen, dass deutsche Soldaten nie mehr ein anderes Land überfallen dürfen – dann können wir für uns Deutsche in Anspruch nehmen, dass wir uns seit fast sieben Jahrzehnten an diesen Grundsatz gehalten haben. Doch ich meine: Damit machen wir es uns zu einfach.

Eine bischöfliche Stellungnahme
Denn dafür, dass heute in aller Welt bewaffnete Konflikte ausgetragen werden können, leistet Deutschland einen unrühmlichen Beitrag – und zwar durch Waffenexporte, die entweder direkt in Krisengebiete gehen oder auf Umwegen dorthin gelangen. Auf diese beklagenswerte Tatsache haben schon im vergangenen Jahr Bischof Martin Hein und Bischof Heinz-Josef Algermissen in einem gemeinsamen Brief an die Gemeinden in unserer Landeskirche und im Bistum Fulda hingewiesen. Für mich ist dieser Brief eine Art „Gegenstück“ zu jener Erklärung, die führende evangelische Theologen vor 100 Jahren unterzeichnet haben. Denn in ihrem Brief unterstützen die beiden Bischöfe nicht eine ethisch fragwürdige Regierungspolitik, sondern widersprechen ihr. Einen Auszug aus diesem Brief gebe ich im Folgenden wieder. Bischof Hein und Bischof Algermissen schreiben:

„Deutschland steht an dritter Stelle der rüstungsexportierenden Staaten. Dies erfüllt uns mit tiefer Sorge. Es ist unsere gemeinsame Überzeugung, dass Rüstungsexporte zur Friedensgefährdung beitragen, weil Waffenlieferungen nicht selten überhaupt erst die Möglichkeit zu militärischen Konflikten eröffnen: (…) So hart das auch klingen mag: Es besteht berechtigter Grund zu der Sorge, dass Waffen aus deutscher Produktion in einer nicht geringen Zahl von regionalen Auseinandersetzungen und Bürgerkriegen zu tödlichem Einsatz kommen … – und dies nicht selten beiderseits der Front.“
Unter Bezugnahme auf den jährlich von der „Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung“ (GKKE) vorgelegten Rüstungsexportbericht machen die Bischöfe außerdem „darauf aufmerksam,
  • dass die Rüstungsexporte kontinuierlich steigen,
  • dass ein Drittel der deutschen Rüstungsexporte in Staaten geht, die offiziell Entwicklungshilfe beziehen, und
  • dass eine deutliche Abkehr von dem Grundsatz festzustellen ist, deutsche Waffen nicht in Spannungsgebiete zu liefern.“
Ihr Resümee lautet schließlich: „Wir beklagen als Kirchen diese Entwicklung und mahnen die Politik, ihr Einhalt zu gebieten.“

In ihrem Brief machen die beiden Bischöfe auch deutlich, dass sie ihre Position sehr wohl in dem Wissen vertreten, dass an der Rüstungsindustrie auch Arbeitsplätze hängen. Aber ich meine: Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich wirtschaftliche Interessen einmal mehr über ethische Grundsätze einfach hinwegsetzen. Denn es mag wohl sein, dass eine Verminderung oder gar ein Verbot von Rüstungsexporten Arbeitsplätze zumindest vorläufig vernichten würde. Aber es ist eine bittere Tatsache, dass der Export von Rüstungsgütern dazu beiträgt, Menschenleben zu vernichten. Schätzungen zufolge sind nach dem Zweiten Weltkrieg allein mit Kleinwaffen einer deutschen Rüstungsfirma schon mehr als eine Million Menschen (!) getötet worden.

Hersausforderungen für die Kirchen im Jahr 2014
„Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“

Wenn wir das ernst meinen, dann können wir nach meiner Überzeugung nicht alle Jahre wieder am Volkstrauertag der Menschen aus unserem Land gedenken, die vor Jahrzehnten durch Waffengewalt ihr Leben lassen mussten – aber gleichgültig darüber hinwegsehen, wie heute Waffen „made in Germany“ Menschen in anderen Ländern töten und dadurch unsägliches Leid über deren Familien bringen. Die Gefallenen der beiden Weltkriege animieren nicht zu Waffenexporten, sondern sie mahnen zum Frieden.
Karl Barth war vor fast 100 Jahren entsetzt darüber, dass die meisten evangelischen Theologen der positiven Einstellung der damaligen Gesellschaft gegenüber der deutschen Kriegspolitik kritiklos gefolgt sind. Ich frage mich, ob 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs in unserer Gesellschaft und auch in unserer Kirche an die Stelle dieser unkritischen Zustimmung nicht eine tödliche Gleichgültigkeit getreten ist. Ich sehe in dem Brief der Bischöfe Hein und Algermissen das Bestreben, dieser Gleichgültigkeit mit klaren Worten entgegenzutreten.
Und ich finde: Das traurige Jubiläum im August dieses Jahres ist eine Chance, ja geradezu eine Herausforderung, etwas gegen die friedensethische Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen zu tun. Und zwar am besten so, wie es die Bischöfe schon getan haben: nämlich ökumenisch. Ich glaube: Hier haben wir die Chance, mit einer Stimme zu sprechen. Und ich meine: Wir sollten es tun.

Eine friedvolle Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer
Jürgen Gossler
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief_comic+caricaturen, Fotostudio Daniel, Privatfotos, Elli Schulz
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