Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Dezember 2017"
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lk 1,78-79
Gottesdienste
::: 3. Sonntag im Advent, 17. Dez. 2017
18.00 Uhr Gottesdienst mit Empfang des Friedenslichts
::: Mittwoch, den 20. Dezember 2017
19.00 Uhr Adventsandachten
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
15.30 Uhr Familiengottesdienst
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
17.30 Uhr Christvesper für Erwachsene
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
22.00 Uhr Christmette mit Abendmahl
::: 1. Weihnachtstag, 25. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl
::: 2. Weihnachtstag, 26. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst
::: Silvester, 31. Dezember 2017
18.00 Uhr Jahresschlussgottesdienst
::: Neujahr, 1. Januar 2018
18.00 Uhr ökumenischer Gottesdienst zu Beginn des neuen Jahres in der Klosterkirche
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 9 Themen im Gemeindebrief - Nov., Dez. 2013 Januar, Februar 2014
Liebe Gemeinde!
Der Herbst geht auf den Winter zu und damit endet das Kirchenjahr. Der November ist ein stiller Monat, wo der letzten Zeit und des göttlichen Gerichts, der Toten der Kriege und der Verstorbenen des Kirchenjahres gedacht wird. Mit dem Dezember beginnt ein neues Kirchenjahr: Advent, die Ankunft des Heilands der Welt wird erwartet. Dann kommt Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes. Tod und neues Leben stehen sich in dieser Zeit gegenüber. Und ich frage mich, was diese Zeiten, diese beiden Lebensthemen verbindet.

Dabei bin ich auf einen Text gestoßen, den der verstorbene deutsche Nobelpreisträger Heinrich Böll geschrieben hat:

„In dieser Welt habt ihr Angst”, hat Christus gesagt, „seid getrost, ich habe die Welt überwunden.” Ich spüre, sehe und höre, merke so wenig davon, dass die Christen die Welt überwunden, von der Angst befreit hätten, von der Angst im Wirtschaftsdschungel, wo die Bestien lauern, von der Angst der Juden, der Angst der Neger, der Angst der Kinder, der Kranken. Eine christliche Welt müsste eine Welt ohne Angst sein, und unsere Welt ist nicht christlich, solange die Angst nicht geringer wird,
sondern wächst, nicht die Angst vor dem Tode, sondern die Angst vor dem Leben und den Menschen, vor den Mächten und Umständen, Angst vor dem Hunger und der Folter, Angst vor dem Krieg …
Ich überlasse es jedem einzelnen sich den Alptraum einer heidnischen Welt vorzustellen oder eine Welt, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde: den Menschen in die Hände des Menschen fallen zu lassen.
Nirgendwo im Evangelium finde ich eine Rechtfertigung für Unterdrückung, Mord, Gewalt. Ein Christ, der sich ihrer schuldig macht, ist schuldig. Unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich, hin und wieder gibt es sie: Christen, und wo einer auftritt, gerät die Welt in Staunen. 800 Millionen Menschen auf dieser Welt haben die Möglichkeit, die Welt in Erstaunen zu setzen. Vielleicht machen einige von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen…
Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass 800 Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern können. Und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte. Ich glaube, dass eine Welt ohne Christus selbst die Atheisten zu Adventisten machen würde.“
(aus: H. Böll, Eine Welt ohne Christus, in: K. Deschner (Hrsg.) Was halten Sie vom Christentum?)

Mich trifft dieser Text – immer wieder. Denn auch ich frage mich manchmal, wo das Christliche unter uns Christen bleibt. Oder anders: Warum sieht man so wenig von der Liebe, die Gott uns geschenkt hat, im täglichen Leben?

Heinrich Böll ist durch seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg geprägt. Und sein christlicher Hintergrund findet sich in allen seinen Romanen, Erzählungen und Essays. Böll hat erlebt, wie die Kirchen dem menschenverachtenden Regime der Nazis zum Großenteil hinterhergelaufen sind und wie nur wenige Widerstand geleistet haben. Und trotzdem ist er nicht an der Welt und den Christen verzweifelt, weil er sieht, dass der christliche Glaube Barmherzigkeit ermöglicht. Dort, wo Jesus Christus herrscht über Menschen, da haben Schwache, Ausgegrenzte, Verlorene einen Platz und eine Chance. Der christliche Glaube weigert sich, den Menschen in die Hände der Menschen fallen zu lassen, weil eine menschliche Welt nur unter der Herrschaft Gottes, die immer eine Herrschaft der Liebe und Barmherzigkeit ist, möglich ist. Darauf kommt es Böll an: eine menschliche Welt ist möglich, weil es den christlichen Glauben gibt.

Ein Jugendlicher sagte mir, dass seine Eltern kein Interesse am christlichen Glauben haben. Zwar sollen ihm die christlichen Werte in der Schule und im Konfirmandenunterricht vermittelt werden, aber für seinen Alltag scheinen sie keine Bedeutung zu haben. Und ich muss ihm Recht geben. Im Alltag taucht die Herrschaft der Liebe nur selten auf. Es wäre naiv, zu sagen, dass es anders wäre. Aber, so Böll im Einklang mit der Bibel, die Herrschaft der Liebe ist möglich. Und für diese Möglichkeit möchte ich Zeugnis ablegen als Pfarrer. Ich glaube daran, dass Christen das Antlitz dieser Erde verwandeln können – wenn sie nur wollen. Sicher wird es nicht ohne Anfeindungen und Kämpfe gehen, ging es noch nie in der Geschichte der Liebe, aber die Möglichkeit zur Liebe, zur Barmherzigkeit und Güte ist da. Und dass dies so ist, zeigen uns die Predigttexte der Monate November bis Januar. Gott hat diese Welt sich nicht selbst überlassen, sondern seinen Sohn Mensch werden lassen. Aber auch das andere gilt: Unser Leben hat Folgen, unser Tun und Lassen. Das bezeugen die Predigttexte vom Gericht und vom Totengedenken im November.

Ich überlasse es Ihnen, sich vorzustellen, was wäre wenn …
Ihnen eine ruhige und besinnliche Winterzeit.
Ihr Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief, Offiz. Webseiten WGT 2014, „Aktion Brot für die Welt“, Magazin Blickkontakt, Privatfotos, Krippe: Hartmut Winter, Foto-Daniel
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