Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 11 Themen im Gemeindebrief - Nov., Dez. 2012 Januar, Februar 2013
Liebe Gemeinde,
vermutlich haben Sie es schon gehört oder gelesen: Am 10. November planen die „Jungen Nationaldemokraten“ einen Demonstrationsmarsch durch Hünfeld. Der Termin für diesen Marsch ist wohl kaum zufällig. Zum einen bietet sich an diesem Tag die Gelegenheit, den Hünfelder Martinsmarkt zu stören, zum anderen liegt die Demonstration in unmittelbarer Nähe eines geschichtsträchtigen Datums. Denn am 9. November 1989 öffnete sich in Berlin die Mauer, die Deutsche in Ost und West Jahrzehnte lang voneinander getrennt hatte. Für die Deutschen im Osten unseres Landes war das der Anfang vom Ende einer Zwangsherrschaft, die mehr als ein halbes Jahrhundert gedauert hatte.

Ein Marsch für die Freiheit?
Die „Jungen Nationaldemokraten“ behaupten denn auch, dass sie mit ihrem Marsch durch Hünfeld an dieses geschichtliche Ereignis anknüpfen und für die Meinungsfreiheit demonstrieren wollen. Dass ausgerechnet die Jugendorganisation der NPD den Anspruch erhebt für die Freiheit einzutreten, wirkt in Anbetracht der Tatsache, dass diese Partei immer wieder durch ausländerfeindliche Parolen auf sich aufmerksam macht, mehr als befremdlich. Was ihre wahre Gesinnung angeht, dürften die „Jungen Nationaldemokraten“ eher einem anderen Ereignis nahestehen, das ebenfalls an einem 9. November stattfand – und mit Freiheit nichts zu tun hatte. Denn am 9. November 1938 brannten in ungezählten deutschen Städten jüdische Gotteshäuser – darunter auch die Synagoge in Hünfeld. In die Geschichte ist dieses organisierte Verbrechen der Nationalsozialisten als „Reichspogromnacht“ eingegangen. Sie gilt als Anfang der systematischen Verfolgung der europäischen Juden, die in den folgenden Jahren massenweise in Konzentrationslager deportiert wurden.

Wes Geistes Kinder die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) in Wahrheit sind, lässt sich dem Artikel über die Nachwuchsorganisation der NPD im Internetlexikon „WIKIPEDIA“ entnehmen. Dort heißt es: „Zielsetzung der Partei und der JN ist es, über zunächst unpolitisch erscheinende Aktivitäten Jugendliche und Kinder an rechtsextremistisches Gedankengut heranzuführen ... Hier gibt es starke Ähnlichkeiten zu der Hitler-Jugend (HJ) und damit zu der Zeit des Dritten Reichs.“ Zur Anknüpfung der „Jungen Nationaldemokraten“ an diese dunkelste Zeit der deutschen Geschichte passt es auch, dass die Internet Web-Site der NJ den Titel „frontdienst“ trägt.

Protest für die Freiheit!
Inzwischen ist in Hünfeld ein Aktionsbündnis gegründet worden, das von den im Hünfelder Stadtparlament vertretenen politischen Parteien, vielen Vereinen sowie der evangelischen und den katholischen Kirchengemeinden und dem Bonifatiuskloster mitgetragen wird. Dieses Bündnis ruft für den 10. November um 17.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz zu einer Gegendemonstration auf. Wir hoffen, dass sich an dieser vom „Aktionsbündnis gegen Rechts“ angemeldeten Demonstration auch viele Mitglieder unserer Gemeinde beteiligen werden. Denn wenn die evangelische Kirche für sich in Anspruch nimmt, in der Tradition Martin Luthers zu stehen und deshalb in besonderer Weise die „Kirche der Freiheit“ zu sein, dann sind am 10. November gerade wir Protestanten zum Protest für die Freiheit aufgefordert. Wir sind dazu aufgerufen, diesen verblendeten jungen Menschen deutlich machen, dass sie mit ihrem intoleranten Gedankengut, das die Freiheit Andersdenkender missachtet, in unserer Gesellschaft klar in der Minderheit sind.

In seinem Brief an die Galater schreibt der Apostel Paulus: „Zur Freiheit hat euch Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Galater 5,1) Wir sollten dankbar dafür sein, dass die Zeit der Knechtschaft vor nunmehr 23 Jahren auch für die Deutschen im Osten unseres Landes zu Ende gegangen ist. Und es waren nicht zuletzt mutige evangelische Christen, die dazu beigetragen haben, dass unsere Landsleute in der ehemaligen DDR das Joch einer über 50jährigen Knechtschaft abstreifen konnten. Lasst uns also allen Versuchen entgegentreten, die uns (unter dem Deckmantel der Freiheit!) wieder das Joch der Knechtschaft auflegen wollen.

In der Hoffnung, dass möglichste viele evangelische Christen am 10. November ihrem Namen „Protestanten“ Ehre machen werden, grüßen Sie herzlich
Ihre Pfarrer
Jürgen Gossler und
Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief, Offiz. Webseiten WGT 2013, „Aktion Brot für die Welt“, Kirchentag in Hamburg, Privatfotos
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