Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
4. von 10 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2012
Mein Glaube?
Da liegt sie da, die Bibel. Sie wird gelesen, ja, besonders wichtige Verse und Textabschnitte werden herausgeschnitten und in ein Heft geklebt. Der, der das macht, setzt sich mit dem Text auseinander.

Mein Glaube. Ob der Karikaturist (Thomas Plaßmann) das so gemeint hat? Jemand setzt sich mit der Bibel, der Urkunde des christlichen Glaubens auseinander und denkt über die einzelnen Worte nach. Das wäre so, wie die Verfasser der biblischen Bücher es sich gewünscht hätten, so, wie die Bibel benutzt werden will.

Oder ist es nicht eher so, dass da jemand das aus der Bibel herausschneidet, was ihm gerade gefällt, nach dem Motto „Ich nehme nur das, was mir gefällt und das andere lasse ich weg“.

Paulus schreibt im 1.Korintherbrief zu solch einem Verhalten: „Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist: Jesus Christus.“ Schon in der frühen Christenheit bastelten sich manche Christen ihren Glauben zusammen, so, wie es gerade für sie passend war. Der sogenannte Patchwork-Glaube ist so alt, wie der Glaube an Jesus Christus selbst.

Zunächst muss ein Unterschied eingeführt werden. Es geht nicht darum, etwas zu glauben, weil es in der Bibel steht. Das wäre ein Glaube, der nicht auf Jesus Christus beruht. Dieser Glaube wäre autoritär und ein Gesetzesglaube. Christlicher Glaube will verstehen, um in Freiheit angenommen zu werden. Jesus wollte und will, dass Menschen verstehen, was sie glauben, damit sie sich aus freien Stücken für den Glauben entscheiden können. Aus diesem Grund sind die Briefe im Neuen Testament geschrieben worden, weil Christen Fragen hatten, auf die sie eine Antwort wollten. Aus diesem Grunde entstanden die Evangelien; Christen fragten, wer dieser Jesus von Nazareth sei und was er gemacht und gesagt hat, und Evangelisten antworten mit ihren Evangelien auf diese Frage. Die Schriften des Neuen Testamentes sind Dialogschriften, die auf Fragen von Menschen konkrete Antworten geben. Und das bedeutet nichts anderes, als dass der Inhalt des Glaubens von Menschen verstanden werden soll.

Christlicher Glaube ist ein verstehender Glaube, der nachfragt und nach Antworten sucht. D.h. aber nicht, dass er beliebig ist. Ich kann mir nicht auswählen, was mir gerade gefällt und was gerade dem Zeitgeist entspricht. Christlicher Glaube orientiert sich an Jesus Christus, dem auferstandenen Gekreuzigten. Darin steckt schon ein Ärgernis, was den Glauben seit seiner Entstehung begleitet: ein Gekreuzigter, der nach damaligen Verständnis aufgrund seines Todes ein von Gott Verfluchter ist, ist von Gott auferweckt worden, ja, dieser ist der Sohn Gottes. Den Menschen jüdischen Glaubens war das ein kultureller und religiöser Anstoß und den Menschen mit griechischem Hintergrund war das schlichtweg zu blöd (es entsprach nicht der Menschenweisheit).

Angesichts dieser Diskussion in seiner korinthischen Gemeinde formuliert Paulus sein schlichtes Bekenntnis: „Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist: Jesus Christus.“ Was er damit meint, ist, dass unser Glaube sich an dieser Person orientiert. Manches an Jesus ist mir fremd, manches verstehe ich nicht, manches passt mir auch nicht. Dazu zwei Beispiele. Mir ist der Gedanke fremd, dass Gott zornig ist. Ich will nur den lieben Gott, der alles versteht und alles verzeiht. Aber Gott ist nicht nur lieb. Er richtet und nennt das Gute gut und das Schlechte schlecht. Er trennt und unterscheidet. Das tut weh, auch wenn er uns mit den liebenden Augen der Wahrheit ansieht. Und das bedeutet eben auch, dass er zornig sein kann.

Was mir auch nicht passt, ist, dass Gott sein Evangelium an Menschen gebunden hat. Nicht jeder mag jeden. Nicht jeder macht alles richtig und nicht jeder tut das, was mir gefällt. Trotz allen diesen Schwächen lässt Gott seine gute Botschaft von Menschen verkündigen, die Fehler machen, die auf unterschiedliche Akzeptanz stoßen, die schwach sind. Er tut das, damit sein Wort nicht auf menschlicher Überredungskunst und Macht beruht. Er – Gott selbst – will überzeugen. Er will, dass wir dem, was wir verstehen, zustimmen. Er will, dass wir das Verstandene in Wort und Tat umsetzen.

Mein Glaube? Ich versuche immer mehr von Jesus Christus zu verstehen, indem ich mich ins Gespräch mit der Bibel und den Menschen begebe und das nicht ignoriere, was mir nicht passt. Ich werde nie alles verstehen – „Wir sind Bettler. Das ist wahr.“, hat Martin Luther kurz vor seinem Tode notiert. Jeden Tag neu gilt es zu verstehen und auf das zu sehen, was Gott uns in Jesus Christus geschenkt hat. Aber weil ich mein Leben auf einem Fundament gründe, werden mich die wandelnden Glaubensmoden und Glaubensvorstellungen nicht erschüttern. Mein Fundament ist gewiss.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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