Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 10 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2012
Liebe Gemeinde!
In jedem Gottesdienst beten wir es – und wie ich hoffe, auch privat – das „Vater-unser“. Es ist das Gebet der Christen, weil Jesus es seine Jünger gelehrt hat, als sie ihn baten: „Herr, lehre uns beten.“ (Lukas 11,1) Beten tut gut, weil es uns bewusst in Beziehung mit Gott bringt. Manchmal beten wir das „Vater-unser“ einfach so dahin. Es gleicht dann den Gesprächen, wie wir sie mit Freunden oder unserem Partner führen: in den Worten drückt sich die Beziehung aus. Darum sind auch die vermeintlich belanglosen Gespräche auf der Straße, Gespräche zwischen Tür und Angel, so wichtig, weil sie unsere Beziehungen stärken. Zu dem „Beziehungsgebet“ gibt es auch noch das „bewusst wahrnehmende Gebet“. In dieser Form des Gebetes achten wir genau auf jedes Wort, das wir sagen. Im „Be-ziehungsgebet“ geht es um die Melodie des Gesprächs, im „bewusst wahrnehmenden Gebet“ geht es um jedes einzelne Wort.

Ich möchte aus dem „Vater-unser“ einen Satz herausnehmen, der mir angesichts unserer wirtschaftlichen Lage und der Form unseres Wirtschaftens immer wichtiger wird: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Martin Luther kommentiert den Satz in seinem „kleinen Katechismus“ so, dass er zunächst nach der Bedeutung „Was ist das?“ fragt. Seine Antwort lautet: „Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.“ Folge ich Luther, so nehmen nach ihm die bösen Menschen gar nicht wahr, was Gott uns tagtäglich schenkt. Saat und Ernte geschieht einfach. Wir gehen in den Supermarkt und kaufen, was wir brauchen. Statt von Lebensmittelknappheit kann bei uns eher vom Überfluss gesprochen werden. Jeden Tag werfen wir Lebensmittel weg, weil die Äpfel nicht mehr schön aussehen, weil wir zu viel Brot gekauft haben, weil uns das Essen nicht schmeckt. So möge jeder einmal darauf achten, wie er mit dem täglichen Brot umgeht.

Von Hunger ist bei uns wenig die Rede, eher von Übergewicht. Wir nutzen unser Essen, um beispielsweise mit Schokolade unseren Liebeskummer zu kompensieren, um mit Essen unseren Stress und unseren Frust zu beseitigen, um unseren geistigen und geistlichen Hunger zu betäuben. Unser täglicher Umgang mit unseren Lebensmitteln sagt viel über unseren Umgang mit uns selbst aus, ob wir uns achten und schätzen oder nicht (Das schließt den Verfasser mit ein).
So möge auch hier jeder einmal darauf achten, wie und was er isst. Wenn Luther von Erkennen und Dank spricht, so meint er damit, dass wir wahrnehmen sollen, was wir tun. Wer sich bedankt, nimmt die Gabe des anderen wahr, achtet sie, ansonsten wäre der Dank eine Lüge.

Aber „was heißt denn tägliches Brot?“, so fragt Luther weiter, um zu antworten: „Alles, was nottut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“ Luther wird in seiner Aufzählung sehr konkret. Dabei spielt, was die Regierungsform angeht, die hierarchische Struktur seiner Zeit eine gewisse Rolle. Über uns herrscht kein König und kein Fürst mehr, sondern wir selbst regieren uns, indem wir Menschen als „Oberherren“ aus unseren Reihen wählen, wobei jeder die Möglichkeit hat gewählt zu werden, sofern er bereit ist, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.

Luthers Aufzählung umfasst „Kleider“ und „Schuhe“. Haben Sie einmal bedacht, wie viel Sie an Dingen haben, die sie nicht brauchen? Und wie viele Dinge es in ihrem Haushalt und Leben gibt, die sie nicht brauchen? Wer um das tägliche Brot bittet, kommt nicht darum herum, sich auch mit der Frage zu beschäftigen, was wirklich Not tut zu einem guten Leben. Was brauche ich wirklich, und was brauche aufgrund meines Status und meines Ansehens? Und was meine ich zu brauchen, weil mir gerade ein unaufschiebbares Bedürfnis durch den Kopf geht?

Diese Fragen richten sich an diejenigen, die zu viel haben. Aber es gibt auch die, die einfach zu wenig haben, und diejenigen, die für unseren Lebensstil bezahlen, die einmal so genannte Dritte Welt. Auch hier gilt es sich zu fragen, ob mein Wirtschaften dem Leben und der Gerechtigkeit in der Welt dient. Das ist nicht einfach, sich da zu informieren. Aber in Zeiten des Internets und der Stadtbibliotheken ist das durchaus möglich, sich darüber zu informieren, was unser Tun und Lassen für weltweite Auswirkungen hat. „Brot für die Welt“ ist beispielsweise eine gute Adresse, wo man sich informieren kann. Von der Pflicht, selbst zu denken und selbst tätig zu werden, sind wir als Christen nicht entlassen. Gerade die Dankbarkeit setzt in Bewegung, weil sie das Gute, das wir empfangen haben auch den anderen wünscht und gibt.

Wer um das tägliche Brot bittet, der kann gar nicht anders, als sich über seinen Lebensstil Gedanken zu machen. Wer um das tägliche Brot bittet, der kann gar nicht anders, als seinen Überfluss zu teilen. Wer um das tägliche Brot bittet, der kann gar nicht anders, als sich für das tägliche Brot aller Menschen auf dieser Welt einzusetzen.
Ihr Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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