Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
3. von 8 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2011
Was ist „gescheit sein“?
Der Philosoph Ludwig Wittgenstein schrieb 1917 an seinen Freund Paul Engelmann: „Ich arbeite ziemlich fleißig und wollte ich wäre besser und gescheiter. Und diese beiden sind Ein und Dasselbe.“ Was der Philosoph also behauptet ist, dass gescheiter Sein und besser Sein dasselbe sind.

Kaum ein anderer Philosoph hat so viel Wert auf die Klarheit der Sprache und des Denkens gelegt wie Wittgenstein. Bei ihm findet sich kein Fremdwort. Alle seine Äußerungen sind einfach und klar. Trotzdem hegt er den Wunsch, ein gescheiterer Mensch zu werden, um besser zu werden. Wittgenstein geht es beim Gescheitsein nicht um Intelligenz. Er meint damit vielmehr: Was sind die Motive meines Denkens und Handelns? Viele Menschen, so meint er, begehen hässliche Taten, weil sie sich auf die eine oder andere Weise über ihr Tun und Denken täuschen. Ihm geht es darum, zu prüfen, was ich tue und lasse. Der Apostel Paulus fasst diesen Sachverhalt im Thessalonicherbrief so zusammen: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“

Wittgenstein hat Zeit seines Lebens viel darüber nachgedacht, welche Verantwortungen und Verpflichtungen er auf Grund seiner Talente und seiner privilegierten Stellung hat. Das führte auch zu kuriosen Ansichten. So wollte er 1938, als Hitler seinen Triumphzug durch Wien antrat, als Jude und Freund klarer und deutlicher Worte, unbedingt von England nach Wien fahren, um Hitler zur Rede zu stellen. Seine Freunde konnten ihn nur mit Mühe und Not von diesem unvernünftigen Plan abhalten. Motiv für seine Überlegung war, dass er sein Denkvermögen unbedingt dafür einsetzen müsse, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Auch Paulus würde Wittgenstein wohl von seinem Plan abgehalten haben, weil auch er auf Klugheit setzt. Aber er hätte ihn nicht davon abgehalten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wer sich um Klarheit bemüht, wer sich mit den Motiven seines Handelns und dessen Folgen auseinandersetzt, braucht Zeit; Zeit, um in Ruhe nachzudenken. Paulus rät genau das. In einer Zeit, wo alles schnell gehen muss, keiner mehr Muße hat – oder sie sich nicht nehmen will – sein Tun und Lassen in Ruhe zu überdenken, ist der Rat des Paulus ein gefährlicher Rat. Er ist schon in dem Sinne gefährlich, dass der Nachdenkende aus der allgemeinen Hektik aussteigt und nicht mehr mitmacht, gerade weil er die Beweggründe seines Handelns klären will. Und eine Klärung kann auch zu einer Verhaltensänderung führen. Eine Klärung setzt weiter voraus, dass ich den Mut habe, mich zu prüfen und mich in Frage stellen zu lassen. Ein gewagtes Unterfangen in einer Welt, in der jeder Recht haben will, in der alles schnell gehen muss. Wittgenstein und Paulus geht es um das Gute, um nicht weniger. Die Welt braucht Menschen, die das Gute in Ruhe tun, damit sie ein besserer Ort wird.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief, Fotostudio Daniel, Privatfotos
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