Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Dezember 2017"
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lk 1,78-79
Gottesdienste
::: 3. Sonntag im Advent, 17. Dez. 2017
18.00 Uhr Gottesdienst mit Empfang des Friedenslichts
::: Mittwoch, den 20. Dezember 2017
19.00 Uhr Adventsandachten
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
15.30 Uhr Familiengottesdienst
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
17.30 Uhr Christvesper für Erwachsene
::: Heiligabend, 24. Dezember 2017
22.00 Uhr Christmette mit Abendmahl
::: 1. Weihnachtstag, 25. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl
::: 2. Weihnachtstag, 26. Dez. 2017
10.00 Uhr Gottesdienst
::: Silvester, 31. Dezember 2017
18.00 Uhr Jahresschlussgottesdienst
::: Neujahr, 1. Januar 2018
18.00 Uhr ökumenischer Gottesdienst zu Beginn des neuen Jahres in der Klosterkirche
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
5. von 11 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2010
Hat es sich gelohnt?
Über unserem Hauseingang hatten Ringeltauben ihr Nest gebaut. Jedes Ringeltaubengelege zählte zwei Eier. So war es nur natürlich, dass zwei Junge geschlüpft sind. Wir haben die Mühen und die Geduld bewundert, die die Tauben vier Wochen aufgebracht haben. Jeden Tag sitzen und brüten – und hoffen, auch wenn Tiere das wohl so nicht empfinden. Nach drei Wochen war es dann so weit. Die Jungen schlüpften. Die Elterntiere brachten das Futter. Zwei Wochen lang. Dann lag das erste Taubenjunge tot vor unserer Tür. Es ist aus dem Nest gefallen. Hat sich der Aufwand bis dahin für die Eltern gelohnt? Diese Frage schoss mir durch den Kopf.

Dann zwei Wochen später. Ich durfte den ersten Ausflug der jungen Taube aus dem Nest beobachten. Sie war flügge geworden. Den ersten Tag hielt sie sich in der Nähe ihres Nestes auf und wurde noch von den Eltern weiter gefüttert. Sie schlief auf einer Laterne. Am Morgen des zweiten Tages saß sie unter dem Carport und wartete auf das Futter der Eltern. Ich verscheuchte sie. Besorgt frage meine Frau, warum ich das tue. Meine Bemerkung, dass die junge Taube am Boden ihren Feinden ausgesetzt sei, ließ ihre Besorgnis schwinden. Die Jungtaube tat ihr einfach leid, wie sie so dasaß und auf Futter wartete.

Am dritten Tag fand ich die Taube im Carport. Tot. Eine umherstreunende Katze hatte sie dort gerissen und zerlegt. Hat es sich gelohnt? Die Hoffnungen der Eltern – auch wenn Tiere wohl nicht hoffen können? Hat sich das kurze Leben für die Taube gelohnt? Oder sind das nur menschliche Fragen?

Erfolg und Misserfolg entscheiden in unserer Gesellschaft über den Wert eines Lebens. Wir orientieren uns an den Erfolgreichen. Die ohne Erfolg übersehen wir leicht. Zum Erfolg gehört auch die Gesundheit. Wir können sie nicht machen. Sie ist ein Geschenk. Und doch entscheidet sie mit über Erfolg und Misserfolg, über Gelingen und Scheitern im Leben.

Ich würde gerne die Taubeneltern fragen, wie sie darüber denken. Ich würde mir gerne von ihnen erzählen lassen, was sie empfinden. Da sie im letzten Jahr schon beide Jungen verloren haben – beide waren aus dem Nest gefallen und lagen tot am Boden –, muss es für sie wohl ein Erfolg gewesen sein, ihr Junges bis dahin gebracht zu haben. Jedenfalls haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Und ihre Hoffnung war nicht ein bloßes Gefühl, sondern eine Tat- Hoffnung. Sie haben ihre Hoffnung in die Tat umgesetzt, indem sie sich beide – Ringeltauben leben zumeist ein Leben lang monogam – wieder in das Abenteuer des Lebens gestürzt haben. Instinkt sagen wir. Aber wie ist das bei uns Menschen? Geben wir nach Misserfolgen die Hoffnung auf? Verlassen wir unseren Partner und verneinen das Leben?

„Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern ... Die Arbeit dieses Affekts verlangt Menschen, die sich ins Werdende tätig hineinwerfen, zu dem sie selber gehören“, schreibt Ernst Bloch in seinem Buch „Das Prinzip Hoffnung“.

Es gilt, das Hoffen zu lernen, weil es ins Gelingen verliebt ist und nicht ins Scheitern. Es gilt, sich ins Werdende tätig hineinzuwerfen. Voraussichtlich werden die beiden Tauben im nächsten Jahr wieder brüten, das gleiche Nest benutzen und wieder hoffen – auch wenn Tiere das nicht können. „Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“, schreibt Paulus im Römerbrief 5,5. Hoffnung und Liebe gehören nach seiner Ansicht zusammen. Beides schenkt Gott. Es ist die Liebe zum Leben, die Gott ihnen eingepflanzt hat, so denke ich, die die Tauben wieder brüten lässt – auf Hoffnung hin.

Und unsere Hoffnungen? Unsere Erfolge und Misserfolge? Ich wünsche mir, dass sie eingefangen sind von der Liebe Gottes. Die Tauben hoffen tätig. Und Ringeltauben stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Hoffen wir also, dass seine Liebe zum Leben dem Taubenpaar Erfolg bringt, und üben uns selbst in der Arbeit des aktiven Hoffens.
Ihr Pfarrer Stefan Remmert
Vorherige    1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11      Nächste
Bildquellen: Magazin Gemeindebrief, www.blickkontakt.de, Pfr. Stefan Bürger, Privatfotos von Andrea Durstewitz und Renate Ehmer, Fotostudio Daniel
Home  |  Aktivitäten  |  Gemeindebrief  |  Geschichte unserer Gemeinde  |  Sitemap  |  Impressum
Copyright © 2005-2017 - Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld