Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
6. von 9 Themen im Gemeindebrief - Juli, August, September, Oktober 2009
Der Konfirmand und die Abwrackprämie
Es war einmal in einer Zeit, als das Geld und damit die Arbeitsplätze knapp wurden. Der Staat, oder besser: Der allgemeine mehrheitliche Wille der Gesellschaft entschloss sich, sich eines der wichtigsten Symbole des Staatslebens anzunehmen, des Automobils, auf dass die Wirtschaft wieder laufe. War es doch so, dass, als das Geld weniger wurde, die Wirtschaft schrumpfte, gerade das Automobil zum Symbol des ..., ja wessen wurde?

Automobil. Ohne Auto bist du nichts. Nur mit einem Auto kommst du von A nach B, nur mit einem Auto bist du frei zu fahren (und auf der Autobahn zu stehen). Nur mit einem Automobil kannst du zeigen, wie groß und wichtig du bist. Als mittlerer Manager bekommst du einen Audi oder einen Passat, bist du größer und wichtiger, wird auch dein Auto größer. Und als Privatmensch, ja, da zeigt man auch, was man kann (oder die Bank).

Das Auto symbolisiert Freiheit, ja, es steht für Freiheit. Ohne Führerschein – undenkbar! Was ist, wenn ich zu alt bin, nicht mehr fahren kann – aber meinen Führerschein behalte ich. Ohne Auto leben. Undenkbar. Der Mensch ist mit dem Auto verschmolzen.

Es war einmal ein Konfirmand. Ein kluger dazu, der die Zeitung las und das Geschehen in seiner Umgebung verfolgte. Und der las: 2500 Euro für ein neun Jahre altes Auto, 100 Euro für ein Kind. Ein Auto ist also 25mal mehr wert als ein Kind, so dachte er. Ein Leben ohne Kinder. Vorstellbar? Kinder kosten. Der Kindergarten. Die Schule. Die Ausbildung. Kinder kosten. Nerven. Zeit. Kraft. Kinder kosten Geld. Kinder sind ein Kostenfaktor. Und auch der kluge Konfirmand weiß, dass eine Familie weniger Geld hat, je mehr Kinder sie hat, und sehr viel weniger als ein Ehepaar ohne Kinder. Und Kinder bringen nicht unmittelbaren Nutzen. Zumindest nicht volkswirtschaftlich. Was macht also der Konfirmand, der sich auf seine Art mit dem Auto vergleicht? Schließlich ist er ja über neun Jahre und weist schon deutliche Gebrauchsspuren auf.

Es war einmal ein Pfarrer. Der genau das von seinem Konfirmanden gefragt wurde. Was antwortet er? Was kann er antworten? Er tat, was Pfarrer tun. Er las in der Bibel. Dort fand er im Markusevangelium folgende Geschichte:

„Einige Leute wollten ihre Kinder zu Jesus bringen, damit er sie berühre; aber seine Jünger fuhren sie an und wollten sie wegschicken. Als Jesus es bemerkte, wurde er zornig und sagte zu den Jüngern: »Lasst die Kinder doch zu mir kommen und hindert sie nicht daran; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen. Ich versichere euch: Wer sich Gottes neue Welt nicht schenken lässt wie ein Kind, wird niemals hineinkommen.« Dann nahm er die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.“ Und er tat, was Pfarrer auch tun. Er dachte darüber nach. Jesus, so stellte er fest, liebt Kinder. Mehr noch: Sie sind ihm so wichtig, dass er sie als Beispiel für alle Menschen hinstellt. Und: Jesus scheut nicht den Konflikt mit seinen Jüngern, die doch so vernünftig sind. Schließlich waren auch sie der Ansicht: Kinder kosten. Kinder stören. Kinder bringen nicht so viel Ansehen wie Erwachsene.

Und dann, als der Pfarrer dem Konfirmanden wieder begegnete, teilte er ihm die Ergebnisse seines Nachdenkens mit. Und er fügte hinzu: „Ich träume davon, dass wir das Beispiel Jesu nachahmen. Ich träume davon, dass Menschen wieder wichtiger werden als Dinge. Und ich will versuchen, das in meinem Leben zu leben.“ Und sie lebten dann ...

Ob die Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft glücklich und zufrieden mit ihren Kindern lebt, weiß ich nicht. Ich träume davon und ich bin sicher, dass Jesus es wollte, dass wir mit unseren Kindern glücklich und zufrieden leben, dass wir dafür sorgen, dass sie eine gute Zukunft haben und in einer Welt leben können, in der es sich zu leben lohnt.
Pfarrer Stefan Remmert
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief
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