Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
4. von 10 Themen im Gemeindebrief - Ostern 2004
Gedanken zum Bonifatius-Jahr
Jedes Jahr am 5. Juni findet im Fuldaer Land die eindrucksvolle Bonifatius-Wallfahrt statt. Bonifatius ist der große Heilige des Fuldaer Landes, hat aber darüber hinaus eine zentrale Bedeutung für den deutschen Katholizismus: Das Bonifatiusgrab im Fuldaer Dom ist der Mittelpunkt des katholischen Deutschlands, was durch die jährliche Bischofskonferenz klar zum Ausdruck kommt. Das Jahr 2004 hat in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung als Jubiläumsjahr: Am 5. Juni jährt sich zum 1250-sten Mal der Tag, an dem Winfried Bonifatius mit 52 Gefährten in der Nähe von Dokkum (Niederlande) von heidnischen Friesen erschlagen wurde. Bonifatius ist durch sein Leben und durch seinen Märtyrertod einer der großen Heiligen der katholischen Kirche geworden.

Es gibt vieles, was uns Evangelischen im Zusammenhang mit der Bonifatiusverehrung fremd erscheint; die große Sternprozession zum Beispiel oder die Verehrung des im Dommuseum aufbewahrten Kopfreliquiars des Heiligen. Und so stellt sich uns im Jubiläumsjahr die Frage: "Was haben denn wir mit Bonifatius zu tun?" Noch vor 50 Jahren, beim 1200-sten Jubiläum, hätte diese Frage wohl einen stark kritischen Unterton gehabt und die Antwort wäre sehr reserviert ausgefallen. Inzwischen sind wir aber auch im Fuldaer Land von bei den Seiten "in der Ökumene angekommen", und die Frage sollte von uns mit vorurteilslosem positiven Interesse gestellt werden: "Wer war Bonifatius und was hat er uns Christen heute zu sagen?"

Im Rahmen des Gemeindebriefs ist es nicht möglich die erste Teilfrage auch nur annähernd zu beantworten. Nur soviel sei gesagt: Bonifatius war der wichtigste Vertreter der sogenannten angelsächsischen Mission im Frankenreich. Er missionierte im ostfränkischen Reich, das später zum deutschen Reich wurde, und organisierte die Kirche im gesamten fränkischen Reich, indem er Klöster und Bistümer gründete, alte Bistümer reorganisierte und die gesamte Kirche auf Rom hin ausrichtete. 744 gründete Bonifatius als Erzbischof von Mainz durch seinen Schüler Sturmius auf einem Gelände, das ihm 743 der fränkische Hausmeier Karlmann geschenkt hatte, sein Muster- und Lieblingskloster Fulda. Hören wir ihn selbst: "In einer Einöde von großer Weltverlassenheit mitten zwischen den Völkern meines Missionsgebiets habe ich ein Kloster errichtet und Mönche nach der Regel des heiligen Benedikt angesiedelt. Es ist mein Wunsch, hier für einige Zeit oder auch nur für ein paar Tage meinen vom Alter matt gewordenen Leib in der Stille sich erholen und nach meinem Tode ruhen zu lassen." Der letzte Wunsch wurde ihm nach seinem Märtyrertod durch die Beisetzung des Leichnams in Fulda erfüllt. - Bonifatius spielte in den Jahren 751/52 eine wichtige Rolle beim Übergang der Herrschaft vom Königsgeschlecht der Merowinger zu den Karolingern. Es war ein Geschäft zwischen dem Papst und den Karolingern, beruhend auf beiderseitigen politischen Interessen. Von Anfang an bestand also ein sehr enges Verhältnis zwischen den karolingischen Herrschern und dem Papst in Rom. Bonifatius hat daran wesentlichen Anteil. Knappe 50 Jahre später wird Karl der Große vom römischen Papst zum abendländischen Kaiser gekrönt.

Die protestantische Kritik an Bonifatius hat besonders die Rombindung herausgestellt, die in der Reformationszeit in einem schmerzlichen Prozess aufgelöst wurde, ohne dass es Luther ursprünglich wollte. Dabei ist oft nicht berücksichtigt worden, dass es Bonifatius nicht um eine Bindung als Fessel gegangen ist, sondern dass er als rastloser Kämpfer finden christlichen Glauben der Meinung war, nur eine feste Form könne eine ungefährdete Entwicklung des Glaubens gewährleisten. Ein Zitat aus seinen Briefen soll das Motiv für seine Reformbestrebungen verdeutlichen: "Die Franken haben nach Aussage bejahrter Männer seit mehr als 80 Jahren weder eine Synode gehalten noch einen Erzbischof gehabt. Größtenteils sind die Bischofssitze in den Städten habgierigen Laien zum Besitz oder ehebrecherischen, dem Gelderwerb frönenden Geistlichen zum weltlichen Genuss ausgeliefert." Beim Kampf um eine Metropolitanverfassung der fränkischen Kirche ist Bonifatius am fränkischen Adel gescheitert, was dazu führte, dass er die organisatorischen Ziele zurückstellte und sich wieder seinem tiefsten Anliegen, der Missionierung, zuwendete. Dabei fand er im Missionsgebiet seiner frühen Jahre, in Friesland, als 81-Jähriger den Märtyrertod. Bonifatius war ein großer christlicher Missionar, er war gleichzeitig ein großer Reformer und Organisator. Er stellte die Verbindung her zwischen dem Papst in Rom und den Herrschern des Frankenreiches. Seine Kirchenorganisation bildet die Grundlage der Struktur der mittelalterlichen Kirche in Deutschland und über Deutschland hinaus. Die Rombindung wird entscheidend für die gesamte deutsche Kaisergeschichte bis ins späte Mittelalter.

Zur 1200-Jahr-Feier 1954 sagte Professor Theodor Schieffer: "Er bleibt nicht nur eine über alle Geschichte hinweg verehrungswürdige Erscheinung: er gehört auch unverlierbar zu unserer deutschen und europäischen Geschichte, wir zehren von seinem Erbe. Er gehört zu den bahnbrechenden Initiatoren, zu den Baumeistern unseres Kulturkreises." Diesem Urteil können wir uns als evangelische Christen vorbehaltlos anschließen. Bonifatius, der "Apostel der Deutschen", war einer der wichtigsten Wegbereiter des "christlichen Abendlandes". Die christliche Grundlage unseres kulturellen Daseins wird heute vielfach relativiert und in Frage gestellt. Evangelische und katholische Christen sollten sich entschieden dagegen wehren und in diesem Sinne das Erbe von Bonifatius zu bewahren suchen.

Gegenüber dem Fuldaer Stadtschloss steht ein Bonifatiusdenkmal. Es wurde 1842 von dem Kasseler Künstler Werner Henschel geschaffen und ist in jüngster Zeit hervorragend restauriert worden. Manchem Zeitgenossen mag es als zu heroisch erscheinen, aber die kraftvolle Darstellung ist der starken Persönlichkeit des Heiligen durchaus angemessen. In mancher Hinsicht ist das Denkmal mit Lutherdenkmalen der gleichen Zeit vergleichbar. Und genau betrachtet ist dieses Denkmal ein wahrhaft ökumenisches: Der Glaubensbote hält in der Rechten hoch erhoben das Kreuz als Zeichen der Liebe Gottes und der Erlösung des Menschen, in der Linken die aufgeschlagene Bibel als Zeugnis der frohen Botschaft, und auf dem Sockel lesen wir die tröstlichen und befreienden Worte: "Verbum domini manet in aeternum", "Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit". Jeder evangelische Christ kann sich zu diesem Bild von Bonifatius vorbehaltlos und freudig bekennen.
Ulrich Heyne
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief
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