Evangelische Kirchengemeinde Hünfeld
Monatsspruch "Oktober 2017"
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lk 15,10
Gottesdienste
::: Dienstag, den 31. Oktober 2017
10.00 Uhr Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum
Gemeindebrief-Archiv
Gemeindebriefe und Themeninhalte aus der Vergangenheit
1. von 11 Themen im Gemeindebrief - Nov., Dez. 2006 Januar, Februar 2007
Liebe Leserinnen und Leser!
Keine Freude.
Die Kinder sind gut gerüstet, als ihnen der Weihnachtsmann mit seinem dicken Buch gegenübertritt. "Wir bereuen nichts!" Aus Furcht vor Vorwürfen haben sie sich mit Stolz und Härte gewappnet: Dem zeigen wir´s. Es fehlte gerade noch, dass sie ihre Fäustchen heftig in die Hüfte stemmen. Dafür haben sie sich aber an den Händen gefasst. Ein kleines Zeichen ihrer noch nicht ganz überwundenen Furcht?

Keine Reue.
Auch das wird es Weihnachten geben, vermutlich mehr, als uns allen lieb ist. Irgendwie läuft ja alles, nicht gerade rund, aber es läuft. Bald laufen die ersten Vorbereitungen an. Alle Pläne sind auf dem Weg zu ihrer Erfüllung. Äußerlich. Innerlich, meinen viele, gibt es sowieso nichts zu tun. Innerlich bleibt alles beim Alten. Und sollte es hier und da einen kleinen Anflug von Selbstvorwürfen geben, gibt es ja noch die Haltung der Kinder, die ihrer leisen Furcht trotzen: wir bereuen nichts.

Könnte es also sein, dass Reue und Freude nahe beieinander sind und sich die Freude darum so selten einstellen will, weil eine gewisse Reue fehlt? Oder, vorsichtiger gefragt: weil ein gewisses Einhalten und Überdenken des Lebens und des Handelns und der vielen Pläne fehlt?

Könnte ja sein. Keine Reue erfordert viel Kraft. Da werden auch Kräfte gebunden, die gut woanders eingesetzt werden könnten. Selbstbehauptungen erfordern eine Menge Arbeit; festhalten an sich selber ebenso. Wer manchmal ganz genau in die Gesichter schaut, die an der Selbstbehauptung arbeiten, ahnt etwas von dem Kraftakt, der dazu nötig ist. Gewiss, Einhalten und Überdenken sind auch nicht gerade leicht, haben aber eine andere Folge: Jedes Eingeständnis ist auch wie eine Befreiung und öffnet neue Räume, in denen dann eine gewisse Freude Platz nehmen kann. Oder?

Güte jedenfalls kommt nicht aus der Selbstbehauptung, daraus folgt meistens nur Strenge. Güte kommt eher aus der Freude. Wer seine Schwächen ansieht und kennen gelernt hat, ist anderen gegenüber eher zurückhaltend und manchmal gütig. Paulus ermuntert uns zur Güte, weil er sich gut kennt. Paulus rät zur Freude, weil er diese Lebenshaltung christlicher findet als ständiges Mäkeln an allem und jedem. Die Nähe des Herrn, findet Paulus, erlaubt uns eine Menschlichkeit, die höher ist als alle Vernunft. Keine Reue, keine Freude.

Es mag manchmal vernünftig klingen, nichts zu bereuen, auch wenn dann die Freude ausbleibt. Aber es gibt Zeiten und Orte, da ist anderes wichtiger als Vernunft. Und wenn die Güte dann auch noch Freude macht, ist das auch wieder sehr vernünftig.

In diesem Sinne eine besinnliche Advents- und eine frohe Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Kirsten Schulte
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Bildquellen: Magazin Gemeindebrief
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